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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2019
Regt! Euch! Ab!
Analyse einer gereizten Gesellschaft
Der Inhalt:

Aufgefallen: Aus Markus wurde Tessa

von Barbara Tambour vom 25.01.2019
Die Grüne ist die erste bekennende transidente Abgeordnete in Deutschland. Sie hatte noch als Markus Ganserer in Bayern kandidiert

Fünf Jahre lang saß Markus Ganserer im Bayerischen Landtag, im vergangenen Herbst wurde er wiedergewählt. Seit vergangener Woche hat Tessa Ganserer dieses Mandat inne. Zum Jahresende hatte sie öffentlich erklärt, dass sie transident lebt und fortan als Frau angesprochen und behandelt werden möchte. »Ich mache das nicht zum Spaß und habe mir das auch nicht ausgesucht«, betont Ganserer bei einer Pressekonferenz im Bayerischen Landtag, doch sie habe keine Kraft mehr, ihre weibliche Identität zu verstecken.

Sein Schlüsselerlebnis hatte der damalige Markus Ganserer vor zehn Jahren. Damals zog er ein Kleid seiner Frau an – »und dann wusste ich, dass ich kein Mann bin«. Transidentität bedeutet, dass die körperlichen Geschlechtsmerkmale vom eigenen geschlechtlichen Selbstverständnis abweichen. Zwei Jahre dauerte es, bis er sich seiner Frau anvertraute, weitere acht Jahre, bis er den Schritt in die Öffentlichkeit wagte: »Es ging einfach nicht mehr anders. Das Leiden war so schwer und hart, dass man das nicht mehr durchhält.« Im Herbst hatte Ganserer sich öffentlich zu seiner Transidentität bekannt, zunächst aber angekündigt, im Parlament weiter als Mann zu agieren. Ein psychiatrisches Gutachten, das bestätigte, wie sehr Ganserer unter der falschen Geschlechterrolle leidet, und ausnahmslos positive Reaktionen der Fraktionskolleginnen und -kollegen gaben ihr dann den Mut für den Schritt, künftig als Frau ihrer politischen Arbeit nachzugehen. Bei der Pressekonferenz trug sie Frauenkleidung, Frauenstiefel und eine blonde Perücke. Tessa Ganserer sagt über sich: »Das ist ein natürliches Phänomen und keine Modeerscheinung und keine Krankheit.«

Die 41-Jährige hat zwei Söhne, ist verheiratet mit ihrer Frau, zu der sie weiterhin Zuneigung empfinde, stammt aus Zwiesel im Bayerischen Wald und ist diplomierte Wald- und Forstwirtin. Ganserer sitzt für die Nürnberger Grünen im Landtag. Abgeordnete aller Fraktionen – mit Ausnahme der AfD – hätten mit Respekt und Verständnis reagiert. Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) stellt sich hinter sie. Nach einem Gespräch versichert Aigner, Tessa Ganserer künftig als Frau zu behandeln. Über sich selbst sagt Ganserer: »Ich bin mit Leib und Seele Frau – und Politikerin.«

Ganserer kritisierte im Namen der Grünen das ihrer Ansicht nach rückständige Transsexuellengesetz aus dem Jahr 1980. Es lege Menschen, die ihr Geschlecht wechseln wollten, Steine i

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