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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2018
Publik-Forum Ausgabe 2/2018: 1968. Ein irres Jahr
Der Inhalt:

»Wir haben ein Recht auf Unvollständigsein«

Kaum etwas macht das Leben so anstrengend wie Perfektionismus. Doch es geht auch anders: Der Theaterautor und Regisseur Jörg Albrecht über den Ernst des Spielens und wieso es kein Drama ist, aus seiner Rolle zu fallen

Publik-Forum: Wenn Kinder spielen, dann sagen sie gern so was wie »Ich wäre wohl jetzt ein Riese«, und schon sind sie in einer anderen Welt. Ist dieses So-tun-als-ob eine Art Zauberformel fürs Spielen?

Jörg Albrecht: Ja. Sie erinnert uns daran, dass wir alle Konstrukteure unserer eigenen Wirklichkeit sind. Wer spielt, probiert aus, verschiebt Grenzen und entdeckt: Es gibt nicht die eine Wahrheit. Was ich als wahr erlebe, hängt von der Perspektive ab, mit der ich auf die Welt gucke: Meine Wirklichkeit als Riese ist eine andere denn als Zwerg. Spielen ist Leben im Konjunktiv.

Wieso ist dieser Konjunktiv so wichtig?

Albrecht: Weil ohne den Spielraum für Möglichkeiten nichts Neues entsteht. So-tun-als-ob ist ja nicht nur die Vereinbarung fürs Spielen, sondern auch die Formel für schöpferisches Schaffen an sich.

Also lernen Kinder etwas, wenn sie Mutter-Vater-Kind spielen oder »die entlaufenen Katzen verstecken sich vor dem Jäger und durchqueren heimlich das Gebirge«?

Albrecht: Sie lernen, was sie fürs Leben brauchen: Welche Rollen sie in einer Beziehung oder Hierarchie einnehmen können und dass diese Rollen wechseln können. Sie probieren sich aus und spüren, was es heißt, mal den guten und mal den bösen Part zu übernehmen – und kommen dadurch auch mit ihren Schattenseiten in Kontakt. Sie lernen, dass es Grenzen gibt, dass diese Grenzen erst einmal willkürlich gesetzt werden und hinterfragbar und verhandelbar sind. Spielen ist ein Aushandeln von gesellschaftlichen Grundlagen. Aber auf einer anderen Basis, weil jeder Rollenspieler jederzeit sagen kann: