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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2018
Publik-Forum Ausgabe 2/2018: 1968. Ein irres Jahr
Der Inhalt:

Der Krieg und die Kinder

vom 26.01.2018

»Sind auch Sie ein Kriegskind oder ein Kriegsenkel?« Mit dieser Frage haben wir unsere Leserinnen und Leser in Publik-Forum 23/2017 eingeladen, uns zu schreiben, wie die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs ihr Leben geprägt und belastet haben. Aus den zahlreichen und sehr bewegenden Zuschriften konnten wir in der letzten Ausgabe – und nun auch hier – eine kleine Auswahl veröffentlichen. Der Platz reicht aber leider nicht aus, um all die Texte abzudrucken. Die sehr persönlichen Schilderungen haben erneut verdeutlicht, dass es vor allem die Unschuldigen und zuvorderst die Kinder sind, die am meisten unter den Gräueln der Kriege zu leiden haben. Dies bestärkt uns, mit Publik-Forum für eine friedliche Welt zu streiten – und auch die Kriegskinder der Gegenwart nicht im Stich zu lassen.

Die Schuld meines Vaters

Mein Vater diente ab 1944 in der berüchtigten »Division Hermann Göring«, die nur Freiwillige und besonders indoktrinierte Nazis aufnahm. In Italien war diese Truppe für mehrere Kriegsverbrechen verantwortlich. Ich bin 1953 geboren. Vater, der sehr beliebt in unserem Dorf war und als begnadeter Handwerker jedem half, hat nie von jener Zeit erzählt. Nur wenige wussten von seinen aggressiven Ausbrüchen, die sich auch gegen mich richteten. Je weniger das Thema Krieg in unserer Familie zur Sprache kam, desto größer wurde es in mir. Bis auf den heutigen Tag verfolgen mich innere Bilder von Kriegen. Dieses Jahr fuhr ich in jene italienischen Dörfer, in denen damals die Division meines Vaters wütete – wobei es nicht mehr zu klären ist, ob Vater direkt oder indirekt oder nur als Mitwisser beteiligt war –, und habe mich für jene Verbrechen entschuldigt. Eine Schuld, die nicht die meine war, die ich aber trotzdem in mir trug. Ich löste damit bei den Nachkommen der Opfer Tränen und eine Welle der Dankbarkeit aus. Selbst der italienische Staatspräsident erwähnte dieses Ereignis in seiner Ansprache zum Nationalfeiertag. Durch diese mich überwältigende Annahme konnte ich auch meinem Vater in mir verzeihen. Wolfgang Weil, Wuppertal

Zurück nach Danzig

Meine erste Erinnerung ist der Kriegsbeginn in Danzig. Vor dem Haus, in dem wir wohnten, war eine große Menschenmenge. Da stand ich dann, ein kleines Mädchen, ganz alleine

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