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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2017
Bevor es zu spät ist
Wie junge Menschen vor gewaltbereiten Salafisten bewahrt werden können
Der Inhalt:

»Wir brauchen eine neue Begeisterung«

von Bettina Röder vom 27.01.2017
Helfen mehr Emotionen gegen die Vereinfacher von rechts? Überlegungen zum Wahljahr 2017

Die Freude war groß. »Legida gibt auf – wir bleiben wachsam«, twitterte der Leipziger Pfarrer Christian Wolff vor Kurzem nicht ohne Stolz. Und dazu hatte er guten Grund. Die Zivilgesellschaft hatte mit ihren unermüdlichen Demonstrationen nach zwei Jahren Erfolg. Zum Schluss hatten sich 200 Legida-Anhängern 2000 Menschen mit ihrem Bündnis »Willkommen in Leipzig – Eine weltoffene Stadt der Vielfalt« entgegengestellt. Darunter waren Bundespolitikerinnen wie Monika Lazar und Daniela Kolbe, aber auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhardt Jung. Wie auch Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien aus dem Landtag.

Sie alle haben schon einmal vorweggenommen, worauf es im Superwahljahr 2017 ankommt: auf Politikerinnen und Politiker, die Emotionen, sprich Leidenschaft zeigen. Doch nicht nur bei Demonstrationen, sondern auch bei der Verteidigung der Werte unserer Demokratie werden diese Eigenschaften gefragt sein. »Wir brauchen eine neue Begeisterung für das, was wir haben«, sagt Christian Wolff: die Pluralität unserer Gesellschaft, die Auseinandersetzung ohne Waffengewalt, aber eben auch die Möglichkeit, Dinge zu beeinflussen. Für ihn gehört es dazu, »den emotionalen Vereinfachern etwas entgegenzusetzen«. Denn gerade die Gegner der Demokratie setzten auf Emotionen, um Menschen für sich zu gewinnen: wie Donald Trump, der Brexit oder auch die Wahlerfolge der AfD zeigen, nicht ohne Erfolg.

Ute Frevert, Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin hat nachgewiesen, dass Gefühle in der Politik nicht erst seit heute eine große Rolle spielen: von Bismarck, der sie nicht zulassen wollte, bis hin zu Hitler, der auf allen Registern spielte. In der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte hatten die Westdeutschen dann genug von emotionaler Überwältigung. Der »hölzerne Kanzler Adenauer«, wie sie in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung schreibt, sei dafür ein Beleg. Und umgekehrt: Was wäre Willy Brandts Politik ohne seine Leidenschaft, aber auch große, glaubwürdige Gesten wie den Kniefall in Warschau gewesen?

Dabei sind Emotionen überhaupt nichts Verwerfliches. Psychologen wie der Nobelpreisträger Daniel Kahneman sprechen heute davon, dass es zwei Systeme im Gehirn gibt: das evolutionsbedingte alte intuitiv und emotional getriebene System und das intellektuell und kognitiv getriebene System. Beide spie

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