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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2017
Bevor es zu spät ist
Wie junge Menschen vor gewaltbereiten Salafisten bewahrt werden können
Der Inhalt:

Alma und ein ganzes Universum

von Barbara Tambour vom 27.01.2017
Die Tierärztin Nicole Tschierse rettet Kühe, Schweine und Ziegen vor dem Schlachthof. Dort hat sie selbst zehn Jahre lang gearbeitet

Nicole Tschierse klettert über das Metallgatter am Kuhstall. Zwei große, cremefarbene Kühe wenden ihr den Kopf zu. Die 45-Jährige krault Kuh Alma am Kopf, legt den Arm um ihren Hals. Streicheleinheiten für einen Koloss mit Hörnern. Alma sollte schon als Kalb geschlachtet werden. Doch an jenem Tag, der ihr letzter werden sollte, war Tierärztin Tschierse zuständig für die Fleischbeschau in jenem Schlachthof nahe Augsburg. Als es hieß: »Wir haben ein überzähliges Kalb. Was tun damit?«, entschied sie kurzerhand: »Ich kauf es ab und nehme es mit nach Hause.« Mit Alma fing alles an.

Heute lebt Nicole Tschierse mit 74 Rindern, zwölf Schweinen, neun Schafen, fünf Ziegen, zwei Maultieren und fünf Pferden sowie weit über zwanzig Hunden und Katzen auf dem Hof »Wilde Hilde« nahe Göttingen. Nutztiere vor dem Schlachten zu retten, das hat die 45-Jährige zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Am Rande des Harzes hat der von ihr gegründete Verein Weil Tiere lieber leben gemeinsam mit einem anderen Tierschutzverein einen Bauernhof gekauft – eine Bleibe für gut 140 Tiere.

Die müssen versorgt werden. Ausmisten, füttern, tränken – »und das immer wieder von vorne«, berichtet sie. Drei Frauen leben derzeit fest auf dem Hof, eine vierte pendelt fast jeden Tag von Witzenhausen bei Kassel ins 500-Seelen-Dorf Oldenrode. Den Hof nennt Nicole Tschierse »Lebenshof«, nicht »Gnadenhof«. »Warum denn bitte ›Gnade‹«, entrüstet sie sich, »wenn einer bekommt, was ihm zusteht!« Ihr dunkles Haar hat sie schmucklos am Hinterkopf hochgesteckt, vereinzelt ist es von grauen Strähnen durchzogen. »Nutztiere haben genauso viel Lebensdrang und Lebenswillen wie wir auch.« Allen kann sie nicht helfen, das ist klar. Aber wenigstens dem einen oder anderen »kann man zu einem schönen Leben verhelfen«, sagt sie.

Es ist kalt an diesem Wintertag. Fast alle Tiere stehen im Winter in den Ställen des Hofes oder in der Nähe, nur die Herde langhaariger Schottischer Hochlandrinder bleibt ganzjährig draußen auf einer hügeligen Weide abseits des Dorfes.

Zeit für eine Teepause in der Küche. Nicole Tschierse pfeift den Hunden, die über den Hof und rund um den Misthaufen streunern. Zehn hat sie derzeit, die meisten kommen aus Tierheimen in Polen und der Ukraine. Ihr Verein holt regelmäßig Tiere von dort nach Deutschland und vermittelt sie. In der Küche stehen Tetrapacks mit Hafer- un

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