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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2012
Wenn Gott nicht eingreift
Theologen suchen neue Antworten
Der Inhalt:

Kurz mal einen See gekauft

von Bettina Röder vom 04.05.2012
Die Treuhand-Nachfolgerin privatisiert im Auftrag des Bundes Kostbarkeiten der Natur. Hunderttausend protestieren

Unsere Petition an den Bundestag war es, die Schlimmstes verhindert hat«, sagt Axel Kruschat. Er holt tief Luft und fügt hinzu: »Vorerst.« Über 106 000 Menschen hatten das vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) initiierte Schreiben binnen weniger Monate unterzeichnet. »Sie kommen aus allen Bevölkerungsschichten und aus ganz Deutschland«, sagt Kruschat. Ihre Hauptforderung war, dass der Verkauf der Seen in Ostdeutschland durch die Treuhand-Nachfolgerin sofort gestoppt werden muss. Diese einzigartigen Naturgüter, so die Unterzeichner, dürften nicht im großen Stil privatisiert, sondern müssten dem Land übergeben werden. »Ein Selbstläufer war das, wir mussten gar nicht viel dazu tun«, erinnert sich der BUND-Landesgeschäftsführer.

Ruhe geht von dem 41-Jährigen aus. Seine Sätze wägt er genau, schaut in den Unterlagen nach, korrigiert sich. Das war auch in seinem Leben so. Als Mechaniker hat er in DDR-Zeiten im Kernkraftwerk Lubmin gelernt. Er war überzeugt, dass das die sauberste Energiegewinnung ist. Dann kam Tschernobyl, und er stieg aus, studierte später Verwaltungswissenschaft. Heute will er sich nicht damit abfinden, dass die Treuhand-Nachfolgerin mit dem merkwürdigen Namen Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG) zwanzig Jahre nach der Einheit in Ostdeutschland an Konzerne und Privatleute im Auftrag des Bundes provisionsfrei verkauft, was als Tafelsilber in die deutsche Einheit einging: ehemals volkseigene land- und forstwirtschaftliche Flächen und andere Kostbarkeiten der Natur. Darunter auch die einzigartigen Seen.

Im Februar 2010 übergaben die Initiatoren der Petition die über hunderttausend Unterschriften im Bundestag. Sie erreichten damit immerhin, dass der BVVG vorerst Einhalt geboten wurde. 2009 hatte sie im großen Stil begonnen, die Gewässer in Brandenburg zu verkaufen. Wie auch in Mecklenburg-Vorpommern, das inzwischen die gut 30 fraglichen Seen vom Bund für 1,86 Millionen Euro zurückgekauft hat. Auch das Land Brandenburg, wo es sich um 140 Gewässer handelt, will – ausgelöst durch die Petition – nun zurückkaufen. Doch dort wird noch zäh verhandelt.

Den hunderttausend Unterzeichnern der Petition indes geht es um mehr. Auf eine Antwort aus dem Bundestag warten sie »schon seit fast zwei Jahren«, sagt Axel Kruschat. Die Zeit drängt, denn sie wollen, dass auf die Privatisierun

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