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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2012
Wenn Gott nicht eingreift
Theologen suchen neue Antworten
Der Inhalt:

Im Land des Voodoo

von Thomas Seiterich vom 04.05.2012
Wie der katholische Ordensmann Armand Franklin verwüstete Landstriche in Haiti wieder zum Blühen bringt

Pandiassou, ein Dorf im abgeholzten, ökologisch zerstörten Hochland von Haiti, war ein elender Ort. Viele Kinder verhungerten dort im Staub. Bis Frère Armand Franklin mit seinen Freunden kam. Der haitianische Ordensmann, ein Kleiner Bruder Jesu, ist jetzt im neuen, »auferstandenen« Pandiassou zu Hause.

»Der kreolische Ortsname Pandiassou kommt von ›Brot und Zucker‹, von ›Pan y Azúcar‹ der spanischen Entdecker; also haben wir dafür gearbeitet«, sagt der weißhaarige, dürre 71-Jährige, »dass es wieder Brot und Zucker gibt – zunächst in Pandiassou, aber dann auch an vielen anderen, völlig verwüsteten Orten in Haiti.« Nur einige hungernde Familien hätten sich seit den 1980er-Jahren noch an den ausgelaugten Boden der handtuchkleinen Felder in Pandiassou geklammert, erzählt Armand. Der Öko-Pionier pflanzte als Erstes Bäume und legte Teiche an.

Der in Haiti berühmte Agrar-Revolutionär ist ein kreativer Ordensmann – und ein Mystiker. »Ich gehe«, so sagt er, »den Weg der Theologie der Befreiung.« Mit der Rückendeckung durch fortschrittliche haitianische Bischöfe gründete er die Ordensgemeinschaft Petits Frères et Petites Sœurs de l'Incarnation, zu der heute 42 Brüder und 27 Schwestern zählen. »Spirituell orientieren wir uns an Charles de Foucault (1858-1916), der ein Mystiker des Weges von unten ist, da er aus seiner Offizierskarriere ausstieg, um an der Seite der verachteten Tuareg tief im Süden der Sahara völlig arm zu leben«, sagt Frère Armand. Als der Ordensmann 1985 nach Pandiassou kam, waren die Töchter und Söhne der mittellosen Kleinbauern abgewandert, in der Hoffnung, in der Hauptstadt Port-au-Prince ein besseres Leben zu finden als im verwüsteten Hochland. Heute ist von Landflucht keine Rede mehr. Die einstige Ödnis ernährt die Menschen wieder. Frère Armand hat Pandiassou wieder zum Blühen gebracht.

Das erfolgreiche Agrar- und Siedlungsprojekt ist in Haiti einzigartig, denn es entstand völlig aus eigener Kraft, ohne ausländische Gelder, Experten und Einflussnahme. Mit den Bauern forsteten Armand und seine Freunde 200 Hektar auf. Sie legten im gesamten Inselstaat 75 Teiche an zur Zucht von Karpfen und des Tilapia-Barsches sowie zur Bewässerung von Gemüsebeeten.

»Zur Ehre Gottes und der Menschen«, sagt Armand mit einem lachenden Gesicht, »züchten wir Hühner, Schweine, friedliche Schäf

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