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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2018
Gott neu denken
Über die Versöhnung von Glaube und Wissenschaft
Der Inhalt:

Der Aufsteiger

von Thomas Seiterich vom 12.01.2018
Cyril Ramaphosa kämpfte als Arbeiterführer gegen die Apartheid. Als neuer Vorsitzender des ANC will er Südafrika in eine bessere Zukunft führen

Cyril Ramaphosa ist der neue Vorsitzenden des African National Congress, ANC. Er siegte knapp, mit 2440 gegen 2261 Stimmen, gegen eine Politikerin des alten Systems, Ex-Ministerin Nkosanzana Dlamini-Zuma, eine der früheren Gattinnen von Noch-Präsident Jacob Zuma. Nun gilt der Aufsteiger Ramaphosa als der kommende Regierungschef der mächtigsten Nation Afrikas. Gewählt wird im Frühjahr 2019. Taugt der bullige, aber durchaus schillernde Ramaphosa dafür, die nötige Wende im ehemaligen Apartheidstaat durchzusetzen, die Abkehr vom korrupten Regierungsstil hin zu Good Governance? Darüber streiten die Beobachter.

Cyril Ramaphosa wurde 1952 im Getto Soweto unweit von Johannesburg geboren. Der Vater ernährte die Familie als Polizist. Die Familie war kirchlich engagiert. Als Sprecher des Student Christian Movement profilierte sich Cyril Ramaphosa im gewaltfreien Kampf gegen die Apartheid. Deshalb wurde er inhaftiert, einmal elf und einmal sechs Monate lang, jedes Mal ohne Anklage. 1982 gründete er die Bergarbeitergewerkschaft National Union of Mineworkers und wurde Generalsekretär. Nach dem Ende der Apartheid, 1994, wurde Ramaphosa zum Vorsitzenden der verfassunggebenden Versammlung gewählt, ein Amt, das er mit großem Erfolg bis 1996 ausübte.

Kritiker verweisen auf die andere Seite von Ramaphosas Biografie: Der Ex-Arbeiterführer gilt heute als eine der zehn reichsten Personen Südafrikas. Er vertrat jahrelang den Bergbau-Multi Lonmine. Er forderte in einem Schreiben Härte gegen Bergarbeiter beim Streik im August 2012. Wenig später erschoss die Polizei 34 Streikende in der Platinmine Marikana des Konzerns. Ramaphosa distanzierte sich von dieser Polizeiaktion.

Andererseits qualifiziert ihn viel für die neue Position. Cyril Ramaphosa gilt als Macher. Der Mann aus der kleinen Volksgruppe der Venda im Nordosten Südafrikas ist persönlich nicht verwickelt in den lähmenden Streit zwischen den großen Ethnien. Das befreit. Er hat vor seinem Wiedereintritt in die Politik alle Aufsichtsratsmandate zurückgegeben. Das ist nicht üblich in Südafrika und macht ihn unabhängig. Auch sein pragmatischer, nichtideologischer Umgang mit komplexen Sachverhalten weckt in Südafrika Hoffnungen auf einen

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