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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2018
Gott neu denken
Über die Versöhnung von Glaube und Wissenschaft
Der Inhalt:

Hingabe an die beseelte Welt

Pierre Teilhard de Chardin dachte Evolutionstheorie und christliche Heilslehre zusammen. Erinnerung an einen, der seiner Zeit voraus war

Als der Jesuit Pierre Teilhard de Chardin 1921 am Institut catholique in Paris eine Professur für Geologie übernahm, war ihm klar, wie gefährdet er war. Zwar lehrte er Geologie, doch musste er immer wieder auch zu theologischen Fragen Stellung nehmen. Und die traditionellen Begriffe von Schöpfung, Wunder, Erbsünde, Auferstehung konnte er als Naturwissenschaftler nur mit Mühe akzeptieren. »Es ist an der Zeit, dass wir erkennen, dass jegliche zufriedenstellende Interpretation des Universums ... sowohl die Innen- als auch die Außenseite der Dinge umfassen muss – sowohl Geist als auch Materie.« Weil er nicht hinnehmen wollte, dass die Kirche die Masse der Gläubigen dem Aberglauben überließ, rang er um neue Begriffe, um eine Alternative zum anthropomorphen Bild eines Schöpfergottes, der den Menschen und alle Dinge formt wie an der Töpferscheibe. Stattdessen stellte Teilhard die These auf, dass »Gott die Dinge weniger ›schafft‹, als dass er sie sich schaffen lässt«. Ihm war klar, dass ihm dies den Ruf eines Häretikers und Pantheisten einbringen würden. Und so geschah es. Seine Professur konnte er nicht lange ausüben. Er verließ Frankreich, um an geologischen und botanischen Expeditionen teilzunehmen.

Während seiner 23-jährigen Forschungen in China reifte in ihm die Zusammenschau einer neuen christlichen Weltsicht, einer Verbindung von Evolutionstheorie und Heilsgeschichte. Seine Manuskripte häuften sich in Rom, aber an ihre Publikation war nicht zu denken. Diese »Häresie oder Faselei« sei »den Gläubigen nicht zumutbar«, urteilten seine Ordensoberen. Dass Teilhard oft nur für die Schublade schrieb, entmutigte ihn nicht. Er war davon überzeugt, dass sich in ihm schon »der Saft der Religion von morge