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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

»Zuversicht und Langmut«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 15.01.2016
Der Schweizer Zukunftsforscher Andreas M. Walker erklärt, wann sein Hoffnungsbarometer steigt – oder fällt

Publik-Forum: Herr Walker, vor sieben Jahren haben Sie ein Hoffnungsbarometer ins Leben gerufen. Wie kamen Sie darauf?

Andreas M. Walker: Als Zukunftsexperte berate ich Menschen aus Politik, Behörden und Wirtschaft. Dabei ist mir aufgefallen, dass es schon lange ein Angst- und Sorgenbarometer gibt. Und deshalb stelle ich die Gegenfrage: Gibt es noch Hoffnung? Und wenn ja: Worin liegt diese begründet?

Und was haben Sie herausgefunden?

Walker: In den Jahren haben wir mit Blick auf das Hoffnungsbarometer zwei spannende Beobachtungen gemacht. Wenn die Menschen nach Ängsten und Sorgen gefragt werden, geben sie fast immer die mediale Stimmung wieder. Gefragt nach ihren Hoffnungen, sieht das aber ganz anders aus. Da haben wir seit Jahren relativ stabile Zahlen. Tiefe menschliche Bedürfnisse nach Nähe und Zuneigung werden hier sichtbar.

Angst und Hoffnung gehören also unmittelbar zusammen?

Walker: Erstaunlicherweise eben nicht. Im Angstbarometer rangiert die Angst vor Arbeitslosigkeit relativ weit oben. Im Hoffnungsbarometer steht die Hoffnung auf einen sicheren Arbeitsplatz aber gerade nicht weit oben. Oder der Klimawandel: Viele Menschen äußern deshalb Sorge. Die Hoffnung auf eine heile Umwelt nimmt allerdings keinen vorderen Platz ein.

Worauf hoffen die Menschen dann?

Walker: Weder auf Karriere noch auf mehr Geld – zumindest nicht vorrangig. An erster Stelle stehen gute zwischenmensch liche Beziehungen. Hoffnung ist etwas, das man teilt. Ein enger Lebenspartner auf Augenhöhe, mit dem man eine nahe Beziehung pflegt, bildet eine gute Grundlage für Hoffnung. Sich gegenseitig Mut machen, trösten, Halt geben – wer das lebt, ist hoffnungsvoll. Je besser die Beziehung, die man führt, desto größer die Hoffnung.

Hoffnung ist also nicht nur etwas für die Armen und Schwachen?

Walker: Im Gegenteil. Manche denken, Hoffnung sei etwas für Verlierer. Dahinter steckt die Meinung, Hoffnung sei das Einzige, was einem noch bleibe, wenn man bei allem versagt habe. Wir haben aber im Verlauf der Umfragen andere Erkenntnisse gewonnen: Hoffnung wird als Kompetenz verstanden, als persönlicher Antrieb. Hoffnung ist für die meisten

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