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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

Ohne Hoffnung keine Zukunft

von Bettina Röder, Barbara Tambour vom 15.01.2016
Der aktuellen Resignation zum Trotz: Menschen stehen immer wieder auf. Sie verändern, streiten und leben für eine gerechtere Zukunft. Was treibt sie an, was ist das Geheimnis ihrer Hoffnung?

Es ist schon paradox: Da kommen Menschen aus Syrien, Somalia und dem Irak nach Deutschland, mit nichts als der Hoffnung im Gepäck, dem Krieg zu entfliehen und in Europa ein besseres Leben zu finden. Und dann treffen sie im reichen Deutschland Menschen, die oft wenig Hoffnung haben. »Zukunft wird als Problem wahrgenommen«, erläutert der Schweizer Zukunftsexperte Andreas M. Walker. »Die meisten Menschen glauben, dass wir in der bestmöglichen aller Zeiten leben. Also wird viel investiert in die Stabilität der Gegenwart, damit alles so bleibt, wie es ist.« »German Angst« regiert offensichtlich das Land, nicht der Wunsch, etwas zu verändern und die Zukunft zu gestalten.

Die Hoffnungslosigkeit hat Gründe. Die große sozialistische Hoffnung hat sich erledigt, und der übrig gebliebene Kapitalismus mit seinem Wachstumscredo kann einem schon Angst machen. Wer dann noch die Zeitung aufschlägt oder die Fernsehnachrichten anschaut, kann fast nicht anders, als tiefe Besorgnis zu hegen angesichts von Terrorismus, Kriegen, Flüchtlingen, Übergriffen auf Frauen, Klimawandel …

Das Hoffnungsvolle wird dabei gerne übersehen: Der materielle Wohlstand im deutschsprachigen Raum ist enorm, die Lebenszeit lang, die technischen Möglichkeiten so groß wie nie und die demokratische Mitbestimmung nicht unerheblich. Auch weltweit gibt es gute Nachrichten: Die Kindersterblichkeit ist deutlich gesunken, die Zahl der Analphabeten nimmt weltweit ab, Ebola in Westafrika ist besiegt, der Iran atomwaffenfrei. Und in Deutschland kommt schon jede dritte Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Energien.

Der in Oxford forschende deutsche Ökonom Max Roser ist sogar überzeugt: Die Welt wird ständig besser. Um seine These zu belegen, sammelt der 32-Jährige Daten aus aller Welt und wandelt sie in Grafiken um. Roser ist überzeugt: »Viele Trends sind sehr positiv: Gewalt, Armut und Hunger nehmen – über einen längeren Zeitraum gesehen – stark ab.« Und er kann auch erklären, warum das beim Blick in die aktuellen Nachrichten ganz anders zu sein scheint: Kurzfristige negative Ereignisse wie Unfälle, Morde, Terrorakte werden in den Medien gemeldet. Die langfristigen guten Entwicklungen hingegen sind offenbar keine Meldung wert.

Dabei gibt es gerade jetzt so viel hoffnungsvolles Engagement: Vier Millionen Männer und Frauen engagieren sich hierzulande für Flüchtlinge. Mehr als 250 000 Menschen hab

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