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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

Wo bleibt die Hilfe der Theologen?

von Thomas Seiterich vom 15.01.2016
Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche kommt in allen Regionen der Weltkirche vor. Dagegen kämpft von Rom aus der Theologe und Psychotherapeut Hans Zollner

Publik-Forum: Sie leiten als Psychotherapeut und Theologe das Center for Child Protec tion CCP, das Zentrum für Kinderschutz der katholischen Kirche in Rom. Was tun Sie?

Pater Hans Zollner SJ: Wir sind wenige, aber wir versuchen, dicke Bretter zu bohren. Denn wir arbeiten nachhaltig für die Prävention gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der Kirche. Dabei stellen wir uns scharf gegen die Unkultur des Verschweigens und Vertuschens, die mit der sexuellen Gewalt gegen Minderjährige einhergeht. Unsere Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit erstreckt sich auf die katholische Weltkirche. Die bildet mit über 1,22 Milliarden Mitgliedern die größte strukturierte Gemeinschaft der Erde. Sie ist in nahezu sämtlichen soziokulturellen Räumen vertreten. Weltkirchenweit den sexuellen Missbrauch zu bekämpfen ist folglich eine interkulturelle Aufgabe. Wir gehen diese Aufgabe auch in Regionen an, wo wie etwa in Korea über Missbrauch kaum je gesprochen wird, wegen der vorherrschenden Schamkultur oder weil Aufmerksamkeit und Sensibilität für das Thema fehlen.

Sind Sie überrascht, dass sogar in der Kirche der Armen ein enger Mitarbeiter von Erzbischof Oscar Romero jahrelang Täter war?

Zollner: Betroffen und enttäuscht ja, überrascht nicht wirklich: Missbrauch kommt überall vor.

Wie können Sie von der Zentrale Rom aus in entfernten Ländern dagegen angehen?

Zollner: Man kann das, wenn man seine Ziele klar definiert und subsidiär arbeitet. Unser Zielgruppe sind alle pastoral Mitarbeitenden. Es geht darum, ein Klima zu schaffen, in dem über Sexualität, Gewalt und Missbrauch möglichst angstfrei gesprochen werden kann. Ebenso wichtig wie das Ziel ist der Weg. Wir brauchen Partner vor Ort. Obwohl wir erst seit 2012 existieren, kommen zum Beispiel die Ordensobern aus Ecuador, katholische Universitäten und Schulen aus Afrika oder den Philippinen, Bistümer aus Ruanda und vielen anderen Staaten auf uns zu, um Partner zu werden in Prävention und »Safeguarding of Minors«. Sie wollen und müssen unser E-Learning Programm jeweils in ihre Kultur übersetzen und Nachhaltigkeit garantieren. Also: Priesterstudierende, junge Ordensfrauen, Katechetinnen und Professoren sollen an der Ausbildung teilnehmen. Denn einzelne Pilotprojekte nutzen nichts im Kamp

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