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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

Jesus hätte das gefallen

von Stefan Scholz vom 15.01.2016
Die Ausstellung »The Problem of God« hält Abstand zur Religion – und trifft damit einen zentralen christlichen Gedanken

Gott ist ein hausgemachtes Problem, das wir uns selbst auferlegt haben«, diagnostiziert der Künstler Pavel Büchler. In ein kleines Büchlein mit dem Titel »Visible and Invisible« von dem waldensischen Theologen Giovanni Miegge (1901-1961) hat er einen Glaskörper als Lupe hineingeschoben. Er vergrößert, spiegelverkehrt, das Wort »invisible« (unsichtbar). Sein Kunstwerk hat der Ausstellung in Düsseldorf ihren Titel gegeben: »The Problem of God«.

Das gilt in doppelter Hinsicht. Gott ist problematisch für den Gläubigen, weil dieser einen Unsichtbaren sichtbar machen will, aber auch für Gott selbst – gesetzt den Fall, es gibt ihn –, weil er seine Unsichtbarkeit niemals adäquat sichtbar machen kann. Ein Gott, der sich zu erkennen geben will, und ein Mensch, der an Gott glauben möchte – beide laufen ins Leere, meint Büchler. Was sichtbar wird, ist allein der Mensch, wie er sich nach einem geglaubten Unsichtbaren ausstreckt.

Die bemerkenswerte Ausstellung ist noch bis Ende Januar in Düsseldorf zu sehen. Sie versammelt Werke von fünfunddreißig Künstlerinnen und Künstlern, die ausloten wollen, was der Begriff Gott auslöst: in Menschen, die von ihm ergriffen sind, oder in Künstlern, deren Werke scheinbar Unsichtbares sichtbar werden lassen.

Ad Reinhardts »Black Paintings« zum Beispiel entziehen sich dem schnellen Blick. Erst bei längerem Verweilen vor dem Bild entlocken Farbpigmente dem Auge aus einer scheinbar monochromen schwarzen Fläche blau schimmernde Rechtecke. Gott – eine Geduldsfrage?

Von Raum zu Raum begegnet man Kunstwerken, die, meist in bewusster Distanz zum christlichen Glauben, Gott dekonstruieren – in den vielfältigen Facetten menschlicher Bedürftigkeit nach einem Unsichtbaren. Dabei scheinen sie mehr vom Menschen zu sprechen als von Gott selbst. Die Führer werden nicht müde zu betonen, dass diese Ausstellung mit dem christlichen Glauben im Allgemeinen und der katholischen Kirche im Besonderen nichts am Hut hat. Wenn man sie reden hört, könnte man meinen, dass es sich um einen gefährlichen Bazillus handelte, den sich ein weltanschaulich neutrales Museum einfangen könnte, wenn es Kunst präsentiert, die sich mit Gott auseinandersetzt.

Die Ironie dabei ist: Die Ausstellungsmacher sind in ihrer bemühten Distanz zu Religion und Kirche ganz auf der Linie Jesu. Vermutlich hätte der Mann aus Nazareth seine Freude gehab

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