Wut ohne Ziel und Sinn
Es ist dunkel in meiner Heimatstadt Dresden. Auch die berühmte Semperoper hat das Licht ausgemacht. Eiskalter Nieselregen lässt frösteln. Am Polizeirevier der Elbestadt – dort wollen die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) demonstrieren – steigt eine Familie aus einem kleinen Wagen. Sie sind wie viele aus der Umgebung angereist. Der Junge hält ein Plakat der Friedensbewegung hoch: die weiße Taube auf blauem Grund. Die Erwachsenen rauchen. Ein Mann mit grauen langen Haaren unter dem Piratentuch in schwarzer Lederkluft gesellt sich zu ihnen. »Ich lasse mir von der Regierung nichts mehr sagen«, sagt eine ältere Frau, die am Arm ihres Mannes zur Demonstration strebt. »Von den Amerikanern erst recht nicht, die alles bestimmen«, stimmt ihr ein anderer Mann zu. »Mit unseren Steuergeldern haben sie Kriege geführt, die nichts gebracht haben, wie den am Hindukusch.« Ein anderer nickt. »Und jetzt machen sie Putin platt.« Immer mehr tauchen in der Dunkelheit auf, die Familie mit der Friedenstaube scherzt mit den an ihre Bereitschaftswagen gelehnten Polizisten.
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