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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2015
Die bedrohte Demokratie
Der Inhalt:

Der dornige Weg des Franziskus

von Thomas Seiterich vom 16.01.2015
Nach seiner deutlichen Abrechnung mit der römischen Kurie benötigt der Papst energische Verbündete. Doch die sind kaum in Sicht

Mit einem Donnerschlag beendete Papst Franziskus sein dynamisches erstes Gesamtjahr als Skipper auf dem Schiff »römische Kirche«. So scharf wie kein Papst zuvor geißelte der Argentinier den Klerikalismus und »die fünfzehn geistlichen Krankheiten der Kurie« – darunter »geistlichen Alzheimer«, Eitelkeit sowie Doppelleben.

Doch was löst dieser Donnerschlag aus? Der Nachhall sind: dicke Luft, verdächtige Stille, Gestank von Schießpulver, manche Konservativen halten sich die Ohren zu. Die Reformer aber sind begeistert.

Papst Franziskus steuert mit dem hohen Tempo, in dem er sein Amt ausübt, einen risikoreichen Kurs. Denn er provoziert mächtige Gegner aufs Äußerste. Auf die konservativen Kurienkardinäle kann er nicht bauen. Sie werden gegen ihn arbeiten, mehr noch als bisher.

Der erste Papst aus dem erneuerungsfreudigen Jesuitenorden verändert die Kirche im Sauseschritt. Doch vor den nötigen Korrekturen in der Lehre zuckt der Südamerikaner zurück. Stattdessen setzt er auf eine neue, menschennahe Praxis der barmherzigen Seelsorge. Die kommt bei den Leuten an, innerhalb und außerhalb der Kirche.

Mit seinen Kardinalsernennungen beendet Franziskus die Vormacht konservativer Italiener im Kardinalskollegium, die Papst Benedikt verstärkt hatte. Unter den 15 jüngst neu ernannten, wahlberechtigten Kardinälen ist nur ein Vertreter der Kurie: der loyale Außenpolitik-Bischof Dominique Mamberti. Daneben finden sich 14 Ortsbischöfe aus den Armenkirchen in Myanmar, Panama oder Tonga sowie aus Europas Krisenregionen, zum Beispiel der sizilianischen Mafia-Hochburg Agrigent.

Macht Franziskus so weiter, dann kippt er bis 2018 die Mehrheit in einem zukünftigen Konklave – hin zur Dritten Welt. Seine zielstrebige Personalpolitik ist Machtpolitik. Alte Kardinalsposten wie die Großbistümer Venedig oder Turin übergeht er. Denn sie werden von Konservativen aus der Ära Benedikt geleitet. Franziskus erneuert die katholische Kirche von den Rändern her. Bischofsstühle besetzt er mit Männern, denen er zutraut, dass sie den kreativen Aufbruchsgeist seines Pontifikats verwirklichen. Er bevorzugt dem Heute zugewandte Hirten, nicht doktrinäre Hardliner, denen es um die Pflege der Tradition geht.

Politisch setzt Franziskus Zeichen. Diplomatisch unkorrekt betet er in Bethlehem an der israelischen Sperrmauer. Er stiftet Fried

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