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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2015
Die bedrohte Demokratie
Der Inhalt:

Gastkommentar: »Ihr seid nicht das Volk!«

von Friedrich Schorlemmer vom 16.01.2015
Bitte alles, bloß keinen billigen Dialog mit den Pegida-Demonstranten

Gerade in diesen Tagen der bewegenden Bilder aus Paris wird deutlich: Das »Wir-sind-das-Volk«-Gebrüll der Pegida-Demonstranten ist eine feindliche Übernahme eines freiheitlichen Erbes, das jetzt aktueller denn je ist. Denn wer den demokratischen Aufbruch 1989 miterlebt hat, muss empört sein über die Verhunzung aller symbolträchtigen Signale der Emanzipationsbewegung durch überwiegend dumpfe Gefühle, primitive Ressentiments, irrationale Fremdenfeindlichkeit.

Nach 25 Jahren solch gespenstische Ansammlungen ausgerechnet in Dresden erleben zu müssen führt damalige Initiatoren zu blankem Entsetzen. Dem ist unmissverständlich zu erwidern: »Ihr seid nicht das Volk! Ihr seid eine gespenstische Minderheit! Und wenn ihr noch so laut brüllt.«

Es ist mit Händen zu greifen, wie wichtig im Ernstfall ein deutscher Verfassungspatriotismus ist, der sich aus den uns tragenden und prägenden Werten speist. Dieser Ernstfall ist angesichts untergründig wachsender Islamophobie gegeben. In Deutschland als Deutscher zu leben schließt Identitätsfindung in der Aneignung, Pflege und Weiterentwicklung unserer Sprache, Kultur und Geschichte ein. Aus solcher Verwurzelung kann ein Zugehörigkeitsgefühl erwachsen, das menschlich, sozial und politisch prinzipiell offen ist für jeden, der zu Deutschland gehören möchte, ohne seine Herkunft verleugnen zu müssen.

Machen wir uns nichts vor: ein tiefer Riss geht durch unser Land, durch unsere Köpfe, durch unser Herz. Dennoch es ist schlicht unverschämt missbräuchlich, wie der Freiheitsruf schlechthin von 1989 »Wir sind das Volk« von den sogenannten Pegida-Demonstranten verkehrt wird. Damals richtete er sich gegen die Mächtigen und forderte grundlegende Dialoge zur Veränderung ein. Wo diese Freiheitsparole nachgebrüllt wird, da richtet sich ein ursprünglicher Freiheitsruf gegen Schwächste, Hilfebedürftigste, Heimatlose.

Gesprächsoffen bleibend, werden Demokraten selbstbewusst gut daran tun, keine Bitte-Bitte-Dialogangebote für Leute zu machen, die ihre Vorurteile eher gepflegt als befragt wissen wollen. Kaum weiterführend ist es, wenn man sozialtherapeutisch alles einfühlsam zu verstehen vorgibt, was da an Unsinn auf die Straße gekippt wird.

Doch wir werden mit dem aufgerührten nationalistisch-rassistisch-ausländerfeindlichen Gedanken-Sud nur fertig werden, wenn wir die untergr

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