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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2012
2012: Wir steigern das Bruttosozialglück
Umbau der Wirtschaft
Der Inhalt:

Gegen den Hass

von Thomas Seiterich vom 04.05.2012
Nigeria nach den Massenmorden in der Weihnachtsnacht: Emir Sambo und Erzbischof Kaigama predigen Gewaltfreiheit

Ein starkes Doppel: Ein rundlicher Erzbischof und ein schmaler muslimischer Emir. Generationskollegen, wenngleich aus verschiedenen Ethnien, beide um die fünfzig Jahre alt. Gemeinsam wirken die beiden im mörderischen Norden Nigerias als »the unbeatable team«. Denn der Emir und der Katholik analysieren und bekämpfen den Hass zwischen Muslimen und Christen.

Der Erzbischof von Jos, Ignatius Ayau Kaigama, und der Emir von Wase, Muhammadu Sambo Haruna, sind zwei gewaltfreie Volksführer, wortmächtige Prediger und kontextuelle Theologen, jeder in seiner Tradition. Ihre gemeinsame Bühne ist der östliche Bundesstaat Plateau, auf halbem Weg zwischen dem Süd- und dem Nordende Nigerias. In dieser Region entbrennen immer wieder Mord und Totschlag, denn dort stoßen der »muslimische« Norden und der »christliche« Süden des 156-Millionen-Einwohner-Landes aufeinander.

Erzbischof Kaigama analysiert: »Die Kämpfe haben sehr wenig mit Religion zu tun. Die Religion wird instrumentalisiert, um ethnische und politische Interessen durchzusetzen.« Den Koran und die islamische Tradition westafrikanischer Prägung legt Emir Sambo auf Barmherzigkeit und Toleranz hin aus. Dasselbe macht Kaigama mit der Bibel. Sie »entgiften« die von Fundamentalisten gern zitierten Hasstexte der jeweiligen Religion. Die zwei Religionsführer sind Aufklärer, religiös wie politisch. Beiden ist klar, welch große Gefahr darin liegt, dass die Verteilungskämpfe im chaotisch-korrupten Erdöl-Staat Nigeria verschärft werden durch die Zugehörigkeit zu verschiedenen Ethnien und deren jeweils andere Religion oder Konfession. Die größte Nation Afrikas ist so religiös wie weltweit kein anderes Land: 92 Prozent der Nigerianer bezeichnen sich als hoch religiös, wie aus dem Religionsmonitor 2008 der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Und: Nigeria gleicht einem Pulverfass, denn der Ölreichtum konzentriert sich im Nigerdelta im christlichen Süden, die traditionelle Armut jedoch im ländlichen, trockenen muslimischen Norden nahe der Sahel-Zone.

»Politischer Konflikt um Gerechtigkeit und Teilhabe am Wohlstand – kein Krieg der Religionen«, diese These von Erzbischof und Emir ist nicht leicht durchzuhalten. Denn zu brutal sind die Massenmorde der radikal-islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. Sie verübt seit 2009 Anschl

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