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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2017
Vorwärts, Europa!
Wie die Politologin Ulrike Guérot die EU revolutionieren will
Der Inhalt:

Wo kommen Nordkoreas Waffen her?

Im Konflikt mit den USA drohte Nordkorea mit einem Angriff auf die US-Insel Guam. Diktator Kim Jong Un treibt die Entwicklung von Atomwaffen voran und provoziert die Weltgemeinschaft mit Raketentests. Aber woher bekommt Nordkorea das dafür nötige Material? Fragen an den Sicherheitsexperten Erich Schmidt-Eenboom
Militärparade in Nordkorea: Wie gelingt es der Diktatur, Embargos für militärisch nutzbare Güter zu umgehen? Sicherheitsexperte Erich Schmidt-Eenboom weiß Antwort (Fotos: pa; pa/Eventpress Stauffenberg)
Militärparade in Nordkorea: Wie gelingt es der Diktatur, Embargos für militärisch nutzbare Güter zu umgehen? Sicherheitsexperte Erich Schmidt-Eenboom weiß Antwort (Fotos: pa; pa/Eventpress Stauffenberg)

Publik-Forum: Der Konflikt um Nordkorea scheint sich etwas zu beruhigen. Aber woher bekommt dieses völlig abgeschottete Land überhaupt Waffen, auch Atomwaffen?

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 16/2017 vom 25.08.2017, Seite 9
Vorwärts, Europa!
Vorwärts, Europa!
Wie die Politologin Ulrike Guérot die EU revolutionieren will

Erich Schmidt-Eenboom: Der große nordkoreanische Geheimdienst ist sehr stark. Seit Jahrzehnten ist dieser Dienst auch darin geschult, strengste Embargovorschriften, vor allem für Rüstungsgüter, zu umgehen. Die Landesämter für Verfassungsschutz in Bayern und Baden-Württemberg haben schon 2006 darauf hingewiesen, dass die Volksrepublik Nordkorea für ihr atomares und konventionelles Rüstungsprogramm ein weit gespanntes Netz kleinerer Beschaffungsfirmen aufgebaut hat, das auch im Süden der Bundesrepublik aktiv ist. Das betrifft übrigens auch Westeuropa.

Wie sieht es in Asien aus?

Schmidt-Eenboom: Da gibt es ein weit gespanntes Netz von Tarnfirmen, etwa in Macao, Hongkong, Japan, Taiwan. Die sind alle bemüht, direkt militärisch verwertbare Güter zu beschaffen. Die zweite Säule ist der Austausch von Waffen. Früher haben China und Nordkorea Waffen ausgetauscht. Aber nachdem die Chinesen merkten, dass ihr verbündeter Bruder immer mehr aus dem Ruder läuft, ist diese Schiene eher rückläufig. Heute sind da Iran und Syrien relevant.

Welche Rolle spielt der Nachbar Russland?

Schmidt-Eenboom: Der nordkoreanische Nachrichtendienst hatte früher sehr enge Beziehungen nach Russland. Bis heute ist alles, was die militärische Nachrichtendimension in Pjöngjang betrifft, nach russischem Vorbild konzipiert. Es gibt da auch Beziehungen – selbst im Dreieck – über den Iran.

Sie hatten Deutschland angesprochen. Welche Kontrollen gibt es da überhaupt?

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Schmidt-Eenboom: Ein Unternehmen, das in kritische Staaten exportieren will, muss beim Bundesausfuhramt eine Exportgenehmigung einholen. Alle militärischen Güter stehen auf einer Sperrliste. Nordkorea versucht das über kleinere Tarnfirmen zu umgehen, etwa indem man andere Zielländer angibt. Die eigentliche Kontrolle ist darum Aufgabe der Nachrichtendienste.

Was konkret konnten die verhindern?

Schmidt-Eenboom: Das hat Baden-Württemberg gezeigt. Da ging es um eine Firma im Kreis Heidenheim. Die wollten an Nordkorea 214 Aluminiumröhren liefern. Und zwar zum Bau von Gaszentrifugen zur Uran-Anreicherung. Das ist in letzter Sekunde erkannt worden, die Lieferung wurde erst auf dem Seeweg gestoppt.

Haben Sie eine Vorstellung von der Größe des nordkoreanischen Atomarsenals?

Schmidt-Eenboom: Die Rede ist von sechszig kleineren nuklearen Sprengköpfen. Die offene Frage ist: Kann man damit Mittel-und Langstreckenraketen bestücken? Das ist eine sehr komplizierte technische Frage. In der amerikanischen Fachliteratur gehen einige davon aus, dass das bereits gelungen ist und damit eine richtig akute Gefahr zumindest für Guam, aber auch für die amerikanische Küste besteht. Die Raketen seien nicht besonders zielgenau, heißt es auf der anderen Seite. Aber das macht die Bedrohung nicht geringer. Wenn sich Nordkorea zu einem Atomschlag entschließt, wird es sich gegen Bevölkerungszentren richten. Und da kommt es nicht darauf an, ob Sie die Ortsmitte oder den Rand von New York treffen.

Wo sehen Sie Chancen der Entspannung?

Schmidt-Eenboom: Da muss man sich auf die chinesischen Vorschläge einlassen. China kann Pjöngjang einigermaßen zur Räson bringen. Das versuchen die Chinesen ja auch. Sie beschränken den Import aus Nordkorea. Das ist die eine Seite. Die andere: Das ist für die Amerikaner ein zweischneidiges Schwert. Sie wollen die Gestaltungsmacht in der Region behalten, und gleichzeitig verprellt Donald Trump seine engsten Verbündeten in Südostasien.

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