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Wem geben Sie Ihre Stimme?

von Britta Baas, Michael Schrom 23.09.2017
Jutta Sundermann, Ottmar Edenhofer, Lamya Kaddor: Sie gehen zur Bundestagswahl 2017. Gemeinsam mit 24 weiteren Persönlichkeiten haben wir sie auf Publik-Forum.de gefragt: »Wen wählen Sie?« Ihre Antworten lesen Sie hier. Das Ende unserer Serie zur Bundestagswahl ist der Anfang Ihrer Entscheidung: Gehen Sie zur Wahl! Demokratie lebt vom Mitmachen
Jutta Sundermann, Ottmar Edenhofer, Lamya Kaddor: Wem geben sie morgen ihre Stimme? (Fotos: pa/dpa/Horst Galuschka; pa/dpa/Wolfgang Kumm; pa/ Eventpress Stauffenberg)
Jutta Sundermann, Ottmar Edenhofer, Lamya Kaddor: Wem geben sie morgen ihre Stimme? (Fotos: pa/dpa/Horst Galuschka; pa/dpa/Wolfgang Kumm; pa/ Eventpress Stauffenberg)

Jutta Sundermann: »Wählen gegen die Ressentiments der AfD«

Publik-Forum.de: Frau Sundermann, wie wichtig ist Ihnen die Bundestagswahl 2017?

Jutta Sundermann: Wahlen und die Wahlkampfzeit davor verraten viel über die Situation einer Gesellschaft. Da tut sich viel mehr, als eine auf Spitzenkandidaten fixierte Berichterstattung wiedergeben würde. Mich fordert es heraus, das eigene Handeln als Mitbürgerin und Aktivistin zu überprüfen und weiter zu entwickeln. 2017 ist außerdem mal wieder eine Wahl, bei der eine Stimme gegen die dumpfen Ressentiments von Afd und Co eine Motivation ist, sich zur Urne zu begeben.

Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?

Sundermann: Mein Bild einer lebendigen Demokratie besteht aus vielfältigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen weit über Wahlen hinaus. Ich glaube, es gibt fast keine wichtige Frage, die allein durch eine bestimmte Regierungskonstellation gelöst werden würde. Unbedingt muss es vorangehen mit der Agrarwende und dem Klimaschutz. Nötig sind weniger Konzernmacht und mehr ökologische und emanzipatorische Alternativen in vielen Lebensbereichen!

Wem geben Sie Ihre Stimme?

Sundermann: Einfache Frage, schwierige Antwort. Leider verbinde ich mit jeder der Parteien im Bundestag etliche große Enttäuschungen und von denen, die aktuell nicht drin sind, entzückt mich keine. Ich teile zahlreiche Forderungen der Linken, mich schreckt aber deren autoritäre Perspektive in mehreren Bereichen ab. Mit den linken Grünen fühle ich mich verbunden, die Entwicklung der Partei und etliche Entscheidungen der Vergangenheit machen mir es dagegen wieder schwer.

Ottmar Edenhofer: »Ich wähle den Wertewandel zur Nachhaltigkeit«

Publik-Forum.de: Herr Edenhofer, wie wichtig ist Ihnen die Bundestagswahl?

Ottmar Edenhofer: Die Wahl wird die zukünftige Klima- und Energiepolitik bestimmen: Damit die Energiewende vorangehen und die Klimaschutzziele eingehalten werden können, müssen wichtige Richtungsentscheidungen getroffen werden. Dazu gehört eine Debatte über CO2–Preise, die nämlich dreierlei bewirken: Sie setzen Anreize für kohlendioxidfreie Technologien, bestrafen die Nutzung fossiler Energieträger und erzeugen Einnahmen. CO2-Preise sind somit ein Mittel, mit dem wir Populisten den Wind aus den Segeln nehmen können – und zwar zugleich beim Klimawandel, Wachstum und dem Thema soziale Gerechtigkeit. Dies ist umso wichtiger, da wir uns wohl leider nach der Wahl auch im Bundestag mit der AfD werden auseinandersetzten müssen, welche die Erkenntnisse des Weltklimarates anzweifelt und den Klimawandel als Tatsache leugnet.

Was ist für Sie das drängendste politische Problem in Deutschland?

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Edenhofer: Ich halte es für eines der wichtigsten Themen rund um die Bundestagswahl, wie wir Klimaschutz und die soziale Frage zusammen denken können, anstatt sie gegeneinander auszuspielen. Um das zu erreichen, wäre die Verbindung aus der CO2-Bepreisung mit einer progressiven Steuerreform eine Kombination, die für alle Parteien – gleich welcher Couleur – zum innenpolitischen Gewinnerthema werden kann. Denn von solch einer nachhaltigen Finanzreform profitieren besonders Geringverdiener durch höhere Nettolöhne und durch mehr Arbeitsplätze.

Verraten Sie uns, wem Sie Ihre Stimme geben?

Edenhofer: Ich werde eine Partei wählen, die die notwendigen politischen und ökonomischen Veränderungen in Deutschland beschleunigt. Mit meiner Stimme will ich einen langfristigen Wertewandel hin zu einer nachhaltigen und gerechten Gesellschaft voranbringen.

Lamya Kaddor: »Die Wahlplakate zeigen Sätze der Angst«

Publik-Forum.de: Wie wichtig ist Ihnen die Bundestagswahl?

Lamya Kaddor: Jede Bundestagswahl ist elementar für unser demokratisches Land. Selbst wenn wir uns noch so sehr über Politiker und Parteien ärgern, sollte jeder sein Votum abgeben. Das ist die Grundlage, um mitreden zu dürfen. Das gilt selbstverständlich auch für den kommenden Sonntag, ungeachtet dessen, dass die Parteien und Medien diese Wahl verschenkt haben, indem sie auf die falsche Themen gesetzt und in Dauerschleife über primäre AfD-Anliegen wie Innere Sicherheit, Flüchtlinge, Türkei geredet haben. Das, was die Menschen viel mehr interessiert, was die TV-Sendungen mit Publikumsbeteiligung auch gezeigt haben, sind Alltagsthemen wie Bildung, Krankenpflege, Kinderbetreuung, Verkehrsprobleme. Einfach Dinge, die alle Menschen in diesem Land gleichsam angehen, ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Doch keine Partei hat den Mut, einen Wahlkampf so speziell auszurichten. Schaue ich mir die Wahlplakate an, sehe ich fast ausschließlich inhaltsleere, nichtssagende Gemeinplätze. Sätze, die vor lauter Angst, niemanden verprellen zu wollen, nur noch frustrieren. Ich als Wählerin fühle mich jedenfalls nicht ernst genommen oder sogar verschaukelt.

Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?

Kaddor: Ich hoffe inständig, dass wir uns von der Boulevardisierung unserer öffentlichen Diskussionen abwenden und aufhören, uns von Schreihälsen insbesondere in Sozialen Medien treiben zu lassen. Ich hoffe auf mutige Politiker, die künftig Themen in den Vordergrund stellen, keine Emotionen. Ich hoffe auf mutige Medien, die abkehren von einem Journalismus, der viel zu oft einer angeblichen Aufmerksamkeitsökonomie folgt und darauf abzielt Randposition und Extremmeinungen zu hofieren und diese in Talkshows aufeinanderprallen zu lassen. Ich hoffe, dass wir den vernünftigen Stimmen wieder mehr Raum geben.

Wem geben Sie Ihre Stimme?

Kaddor: Nun, wir haben in Deutschland ja den Grundsatz des Wahlgeheimnisses. Und als gute Demokratin werde ich diesen hier ehren. Tut mir leid ;-).

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