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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
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TTIP: Das Dilemma

von Wolf-Gero Reichert vom 20.11.2014
Führt das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der Europäischen Union in einen autoritären Kapitalismus? Der Harvard-Ökonom Dani Rodrik kommt zu einer erschreckenden Antwort
Globalisierung: Politik im Konflikt zwischen Wirtschaft, nationaler Souveränität und Demokratie (Foto: vege/Fotolia)
Globalisierung: Politik im Konflikt zwischen Wirtschaft, nationaler Souveränität und Demokratie (Foto: vege/Fotolia)

Die Kritiker des geplanten Freihandelsabkommens zwischen den USA und der Europäischen Union sind empört darüber, dass die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen stattfinden, ohne Kontrolle durch Parlamentarier. Der Ökonom Dani Rodrik, Professor an der renommierten Harvard University, sieht darin ebenfalls Grund zur Kritik, ist aber keineswegs verwundert. Der Grund: Der 57-Jährige forscht seit vielen Jahren über die Auswirkungen der Globalisierung – und kommt dabei zu dramatischen Schlussfolgerungen.

In seinen Forschungen beschreibt Dani Rodrik einen Zielkonflikt, in dem die Regierungen bei globalen Verhandlungen immer stecken: den Konflikt zwischen einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit anderen Staaten, der Verteidigung ihrer nationalen Souveränität und der demokratischen Beteiligung der Bevölkerung. Rodrik kommt zu dem Schluss, dass Regierungen nur zwei dieser drei Ziele zusammen verwirklichen können. Beim Freihandelsabkommen könnte sogar nur ein Ziel übrig bleiben.

Der Harvard-Ökonom zeigt dieses »Trilemma« anhand der Geschichte auf: In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg legten die Industriestaaten ihren Schwerpunkt auf die Wahrung der nationalstaatlichen Souveränität und auf die ökonomische Zusammenarbeit mit anderen Staaten. Das Resultat war ein autoritärer Kapitalismus, der in den Ersten Weltkrieg mündete. Diesem »Modell« folgt heute insbesondere China.

Nach dem Zweiten Weltkrieg einigten sich die Regierungen auf eine internationale Ordnung, die den grenzüberschreitenden Kapitalverkehr und damit die globalen Wirtschaftsströme massiv einschränkte. Stattdessen wurden in vielen Industriestaaten nationalstaatliche Souveränität und Demokratie

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