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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2016
Schwierige Schüler
Ausrasten, stören, treten: Ein Fall für die Sonderschule? Eine Lehrerin sagt Nein
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Schwierige Schüler

von Heike Baier vom 12.05.2016
Die Sonderpädagogin Vera Affeln setzt sich mit aller Kraft dafür ein, dass verhaltensauffällige Kinder in der Regelschule bleiben können. Sie weiß: Inklusion ist schwierig. Doch spezielle Förderschulen schaffen noch mehr Probleme. Unsere Titelgeschichte in der neuen Ausgabe von Publik-Forum
Behält die Nerven, auch wenn Schüler ausrasten: Sonderpädagogin Vera Affeln in einer zweiten Klasse in Frankfurt am Main. (Foto: Meise)
Behält die Nerven, auch wenn Schüler ausrasten: Sonderpädagogin Vera Affeln in einer zweiten Klasse in Frankfurt am Main. (Foto: Meise)

Vera Affeln tritt vor die Tafel der Grundschüler der 2c und deutet mit ihrem Finger auf alle Kinder, die zu Beginn dieser dritten Stunde bereits tun, was sie sollen – sich hinsetzen und zuhören.»Du hier sitzt schon. Und dort, ihr beiden, seid auch schon still.« »Positive Verstärkung« nennt sie das. Nach und nach kommen auch die übrigen Kinder zu ihren Stühlen. Es wird ruhig. Kein Mensch käme jetzt auf den Gedanken, die 2c könne eine schwierige Klasse sein. So schwierig, dass sich die Schulleitung Hilfe von außen holt, von einer Sonderpädagogin. Vera Affeln ist spezialisiert auf Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und reist jeden Morgen von Schule zu Schule im Stadtgebiet von Frankfurt am Main – überall dort hin, wo sie um Unterstützung gebeten wird. In der 2c geht es um drei Jungen, die schon in der ersten Klasse auffällig waren und nun, seit der Stoff immer dichter wird, den Unterricht zu sprengen drohen.

»An manchen Tagen denke ich, mir platzt der Kopf«, gesteht Klassenlehrerin Judith Magg, die, wie auch alle Schüler in diesem Artikel, eigentlich anders heißt. Heute hat sie schon vor Beginn der dritten Stunde die Fassung verloren. Als sie nach der Pause die Treppe zum Klassenzimmer hochkommt, drängeln sich die Kinder vor der Tür: Murat hat sich den Platz ganz vorne erkämpft. Die anderen drücken von hinten, Murat rempelt zurück. Philipp, Letzter in der Reihe, fällt hin und krümmt sich weinend. Frau Magg geht brüllend dazwischen und zieht Murat als Schuldigen aus dem Haufen: »Nur weil du immer der Erste sein musst!« Murat dreht sich weg, legt den Kopf in die Ecke und weint. Vera Affeln tritt zu ihm, schiebt ihre Hand wie ein Schutzschild gegen seinen Rücken. Murat ist einer der drei Jungs, derentwegen sie einmal pro Woche

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