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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2018
Himmlische Klänge
Musik als spirituelle Kraft der Religionen
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Prag und der Geist von 68

von Axel Noack vom 10.08.2018
Am 21. August 1968 wurde in der Tschechoslowakei der demokratische Sozialismus mit Panzern der Truppen des Warschauer Pakts niedergeschlagen. Das Ende des »Prager Frühlings« war auch für die Deutschen ein einschneidendes Ereignis, besonders für die in der DDR. Der ehemalige Bischof von Magdeburg, Axel Noack, beschreibt, wie viele der älteren Generation ihren Glauben an den Sozialismus verloren, während viele Jüngere weiter auf Reformen hofften
Am Morgen des 22. August 1968: Eine Menschenmenge umringt am ersten Tag der Besetzung in der Prager Innenstadt einen russischen Panzer. Der Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in der Nacht zuvor bedeutete das Ende der Hoffnung auf einen »Sozialismus mit menschlichem Antlitz«. (Foto: pa)
Am Morgen des 22. August 1968: Eine Menschenmenge umringt am ersten Tag der Besetzung in der Prager Innenstadt einen russischen Panzer. Der Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in der Nacht zuvor bedeutete das Ende der Hoffnung auf einen »Sozialismus mit menschlichem Antlitz«. (Foto: pa)

Am 21. August 1968 beendete der Verbund der sozialistischen Staaten brutal den Versuch der Tschechoslowakei, einen anderen, demokratischen Sozialismus zu gestalten. Das wirkte sich auf ganz Europa aus. Auch wenn es zu keiner großen militärischen Auseinandersetzung kam, so wurden die Menschen in Ost und West doch durch das Jahr 1968, vor allem aber von den »68ern« überhaupt, nachhaltig geprägt.

Für mich begann dieses aufregende Jahr schon am 2. Juni 1967, an dem Tag, an dem der Student Benno Ohnesorg während einer Demonstration gegen den persischen Schah in West-Berlin erschossen wurde. Die wenigen, überschaubaren Zeitungsmeldungen in der DDR-Presse dazu waren für mich, Jahrgang 1949, also Abiturient des Jahres 1968, Anlass, ein besonderes »Protestheft« anzulegen, in das ich alle gesammelten Zeitungsausschnitte eingeklebt habe. Dieses Heft sollte sich im Herbst des Jahres 1967 und vor allem im Jahr 1968 schnell füllen und bald um weitere Hefte ergänzt werden.

Nun spielte Rudi Dutschke vom sozialistischen Deutschen Studentenbund eine wichtige Rolle. Von ihm war in der DDR allerdings wenig zu lesen. Sein Auftritt in der West-Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche an Heiligabend 1967 als »Gottesdienststörer« – von einem Kirchenmitglied wurde er mit dem Krückstock attackiert –, hatte Vorbildfunktion für uns im halleschen evangelischen Schülerkreis. Auch wir standen in den Eingangshallen verschiedener hallescher Kirchen mit Plakaten, die an den Hunger in der Welt erinnerten und an die Todesopfer der Welthungerkatastrophe, die im Sekundentakt zahlreicher wurden.

Im Jahr 1968 erfuhr der Begriff des »Sozialismus« eine Erweiterung durch den »demokratischen Sozialismus« in der Prägu

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