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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
Schluss jetzt!
Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

Nordkorea: »Wie ein böser Traum«

Die Situation vieler Menschen in Nordkorea ist schrecklich. Auch durch das Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un wird sie sich nicht verbessern. Young-Ai Park streitet und betet für die Menschen im nördlichen Teils Koreas. Sie ist als Kind mit ihrer Familie von dort geflüchtet. Heute lebt sie in Deutschland
Die heute 70-jährige Young-Ai Park macht mit Mahnwachen in Berlin auf das Leiden der Menschen in Nordkorea aufmerksam (Foto: Röder)
Die heute 70-jährige Young-Ai Park macht mit Mahnwachen in Berlin auf das Leiden der Menschen in Nordkorea aufmerksam (Foto: Röder)

Mein Herz ist schwer, seitdem ich denken kann. Manchmal schließe ich die Augen, weil ich die helle Sonne nicht mehr ertrage oder weinen muss. Wie jetzt, wenn ich an diesem warmen Tag im Mai mit meinen deutschen Freunden wieder hier in Berlin vor der Botschaft von Nordkorea bei der Mahnwache stehe und Sie mich nach meinem Land fragen. Da kommen mir wieder all diese Bilder vor Augen, wie in einem bösen Traum: die Lager in Nordkorea, die grausam gefolterten Menschen, die aus politischen Gründen von der Polizei abgeholt wurden. Und die verfolgten Christen. Wenn jemand die Bibel verbreitet, wird er öffentlich hingerichtet. Viele Christen fliehen nach China, über die grüne Grenze, nachts durch den Fluss. Sicherheitskräfte holen sie oft zurück, dann kommen sie in eins der grausamen Straflager. Die Menschen in Nordkorea hungern und frieren. Haben furchtbare Angst. Ihren Wohnort dürfen sie nur mit polizeilicher Genehmigung verlassen. Wegen kleinster Vergehen werden sie in Konzentrationslager gesteckt. Dabei herrscht Sippenhaft. Die ganze Familie wird dann dorthin gebracht, auch die Kinder.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 11/2018 vom 08.06.2018, Seite 20
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Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?

»Meine Tante, die ich liebte, habe ich nie wiedergesehen«

Wissen Sie, die Menschen in meiner früheren Heimat dürfen nicht glauben und auch nicht leben. »Menschenrechte für alle Nordkoreaner«, steht deshalb auf dem Schild, das ich umgehängt habe. Doch die meisten Leute hier im reichen und sicheren Deutschland laufen vorbei. Viele haben sicher andere Nöte. Aber genau hier, wo ich jetzt mit dieser Mahnwache stehe, verlief doch die Mauer, die Deutschland getrennt hat. So, wie unser Land heute noch getrennt ist.

Siebzig Jahre bin ich jetzt alt. Meine Eltern sind mit mir, meinen zwei Brüdern und meiner Schwester aus Nordkorea nach Südkorea geflohen, als ich fünf Jahre alt war. Gott sei Dank zum richtigen Zeitpunkt. Damals herrschte Krieg. Der südliche Teil unseres schon geteilten Landes war sicher. Doch ein Teil meiner Familie blieb in Nordkorea. Auch meine Tante, die ich als Kind so geliebt habe. Ich habe sie nie wiedergesehen und meine Eltern haben nie darüber gesprochen. Kontakt dürfen wir bis heute zu den Verwandten in Nordkorea nicht haben. Keine Briefe, von Telefonaten ganz zu schweigen.

Mein Vater war in Südkorea Lehrer, aber auch dort bettelarm. Ich arbeitete in der Hauptstadt Seoul als Hilfskraft in einem Krankenhaus und hatte nur einen Wunsch: fort von hier.

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1974 bin ich als junge Frau mit dem Flugzeug ins damalige West-Berlin gekommen. Die Menschen hier haben mir sehr geholfen. Drei Monate durfte ich am Goethe-Institut Deutsch lernen. Danach habe ich mir meinen Herzenswunsch erfüllt und eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. Ich habe auch lange im Krankenhaus gearbeitet.

Anfang der 1980er-Jahre bekam ich meinen Sohn, der das Glück meines Lebens ist. Als er erwachsen war, hat er mich gebeten, mit ihm in Schöneberg ein Restaurant aufzumachen. Natürlich habe ich ihm diesen Wunsch erfüllt. Da arbeite ich immer noch. Mein Gott, was für ein gutes Leben gibt es jetzt hier in dieser Stadt! Dabei habe ich ja noch das geteilte Deutschland, das geteilte Berlin kennengelernt.

»Mein Traum ist ein freies und vereintes Korea«

Mein Traum ist, dass auch unser Land Korea einmal so frei und vereint sein wird. Ich habe gehört, dass viele Menschen in der DDR auch mutiger wurden. Auch Christen waren darunter. Sie waren wenige, haben aber mit ihrer Kraft der Gewaltlosigkeit andere angesteckt. Die Machthaber aus Süd- und Nordkorea haben sich ja jetzt getroffen, aber ich kann mich noch nicht so richtig darüber freuen. Zu tief sitzt mein Misstrauen gegen Kim Jong Un, der die Menschenrechte mit Füßen tritt.

Seit einem Jahr bin ich nun bei dieser Mahnwache hier dabei. Durch einen Gebetskreis in Berlin habe ich davon erfahren. Sogar ein Netzwerk für die Menschenrechte in Nordkorea gibt es inzwischen, etwa hundert Menschen treffen sich in Berlin und Erfurt, beten und informieren sich. Sehen Sie, diesen kleinen Zettel habe ich hierher zur Mahnwache mitgebracht: »Tu Deinen Mund auf für die Stummen und die Sache aller, die verlassen sind.« Diesen Text aus der Bibel sprechen wir gemeinsam. Wir sind nicht viele. Mal zehn, mal zwölf Menschen. Doch ich bin meinen deutschen Geschwistern dankbar, dass sie seit acht Jahren jede Woche hier vor der Botschaft von Nordkorea stehen, bei Wind und Wetter diese Mahnwache halten. Stellvertretend für mein Heimatland und seine Menschen.

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