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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
Schluss jetzt!
Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

Unter geheimer Adresse

von Barbara Tambour vom 07.06.2018
Ein Tag im Frauenhaus. Zwölf Frauen, die misshandelt wurden, finden hier eine sichere Zuflucht. Rund 6000 Plätze gibt es bundesweit. Doch das ist zu wenig
Zufluchtsort Frauenhaus: Bei Null beginnen (Foto: pa/Hitij)
Zufluchtsort Frauenhaus: Bei Null beginnen (Foto: pa/Hitij)

Der Weg ins Frauenhaus führt über einen Parkplatz. Dort treffe ich die Frauen, »die Zuflucht bei uns suchen«, hatte die Mitarbeiterin am Telefon gesagt. »Vom Parkplatz aus gehen wir dann zu Fuß zum Frauenhaus, denn die Adresse darf nicht bekannt werden.« Zu groß ist die Gefahr, dass die Männer, vor denen die Frauen geflohen sind, dort unverhofft auftauchen könnten. Auch die Kreisstadt, in der es steht, soll hier deshalb nicht genannt werden. Ein Händedruck, ein kurzer Fußweg, dann schließt die Psychologin Karin Hartmann ein Gartentor auf. Vor dem Eingang der alten, einstmals herrschaftlichen Villa steht ein Kinderwagen. Hartmann hält einen elektronischen Türöffner an ein Kästchen neben dem Eingang. Die Tür geht auf, dann fällt sie schwer wieder ins Schloss. Ein gutes Geräusch für die Frauen, die hier wohnen. Ein Geräusch, das Sicherheit vermittelt. Morgens um neun ist es ruhig im Frauenhaus: Die großen Kinder sind in der Schule, die jüngeren im Kindergarten, nur die ganz kleinen bei ihren Müttern. Zehn Frauen und zwölf Kinder wohnen derzeit in der alten Villa auf drei Stockwerken. Das jüngste ein Baby, das älteste zwölf Jahre alt.

Das Frauenhaus ist eine vorübergehende Bleibe für Frauen, die sich vor Schlägen, seelischer Gewalt oder drohender Zwangsverheiratung dorthin geflüchtet haben. Manche bleiben nur zehn Minuten. Sehen die abgewetzten Dielen, die kleine Gemeinschaftsküche, in der jede Frau einen abschließbaren Schrankteil hat, das möblierte Zimmer, in dem sie gemeinsam mit ihren Kindern wohnen sollen – und gehen wieder. »Das sind Frauen, denen dann noch eine andere Möglichkeit einfällt: ein Zimmer bei einer Freundin oder bei Verwandten«, erläutert die Psychologin. Andere bleiben ein paar Monate lang, bis sie ihr Leben

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