Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
Schluss jetzt!
Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

Streitfragenzur Zukunft: Muss unser Lebensstandard sinken?

Nein, wir müssen nicht weniger konsumieren, sondern anders Der reiche Norden der Welt braucht einen sozialen und ökologischen Umbau der Wirtschaft

Zuerst einmal gilt: Von den volkswirtschaftlichen Daten her lebt Deutschland nicht über, sondern unter seinen Verhältnissen. Denn wir exportieren viel mehr Waren und Dienstleistungen, als wir importieren. Wir produzieren also mehr, als wir selbst verbrauchen. Insofern könnten wir uns mehr leisten und leben – rein wirtschaftlich – unter unseren Verhältnissen.

Aber: Die Titelfrage zielt natürlich darauf, dass aus ökologischen Gründen in Deutschland und anderen Ländern der nördlichen Hemisphäre nicht nur die Güternachfrage, sondern eben auch die Wertschöpfung sinken soll – um die Ressourcen der Erde zu schonen und gerechter zu verteilen. Obwohl ich eine solche Schrumpfung nicht für sinnvoll halte, stelle ich in keiner Weise in Abrede, dass die Ökonomien des globalen Nordens vor einer gewaltigen ökologischen Herausforderung stehen: Es bedarf in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nicht weniger als einer großen Transformation der Wirtschaft und damit auch der Gesellschaft. Wenn Deutschland die Ressourcen nicht über Gebühr strapazieren soll, dann müssen sich die Energiegewinnung, die Produktionsweise und die Produktpalette grundlegend verändern. Und dies mit dem Ziel, weniger Ressourcen zu verbrauchen, weniger Müll zu produzieren, insbesondere weniger Treibhausgase auszustoßen.

Gerade diese Emissionen zeigen, was in Papst Franziskus’ Enzyklika »Laudato si’« im Mittelpunkt steht: Die ökologische Frage ist auch ein globales Verteilungsthema. Aus ethischer Sicht zwingt die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre die Industrieländer zur radikalen Reduktion ihres Ausstoßes von Treibhausgasen, damit es noch Spielraum gibt für ein starkes Wirtschaftswachstum der Entwicklungs- und Schwellenländer, das immer auch