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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

Mut zum aufrechten Gang

von Friedrich Schorlemmer vom 02.10.2012
Nach der Friedlichen Revolution vor 23 Jahren: Warum wir auch heute Bürgerrechtler brauchen. Ein Plädoyer von Friedrich Schorlemmer
Friedrich Schorlemmer: Ein Mann, der, einst selbst DDR-Bürgerrechtler, um die Gefährdung des Bürgerrechtlers weiß. (Foto: epd/ Niemz)
Friedrich Schorlemmer: Ein Mann, der, einst selbst DDR-Bürgerrechtler, um die Gefährdung des Bürgerrechtlers weiß. (Foto: epd/ Niemz)

Bürgerrechte waren das Sehnsuchtswort im DDR-Herbst 1989; aus der politischen Sehnsucht, die sich so lange schon in fernste Zeiten projiziert hatte, war plötzlich praktische Chance und konkrete Aufgabe geworden. Bürgerrechte verstanden meine Freunde und ich von Beginn an als unauflösbare Verbindung zwischen individuell-bürgerlichen und kollektiv-sozialen Rechten. Von Beginn an – bis heute. Es geht um Brot und Freiheit, um Freiheit und Brot, nicht um Brot statt Freiheit, auch nicht um Freiheit statt Brot. Es gibt keine Vor- oder Nachordnung beider Begriffe.

Heutiges Reden über Freiheit darf kein soziales Privileg sein. Es darf nicht zum gesellschaftsgefährdenden Problem werden, dass das Lied der Freiheit am lautesten jene singen, die sich die Freiheit leisten können, die noch nie in Kellerlöchern gesessen oder jahrelang vergeblich als Bittsteller in Arbeitsämtern Schlange gestanden haben. Und die nicht wissen, wie einem zumute ist, wenn die Leitern nach oben ins Freie gekappt sind. Es geht um die Freiheit als eine Freiheit in Verantwortung, nicht um eine Freiheit bloßer Selbstbezüglichkeit; es geht um Freiheit als Einheit von sozialen und politischen Rechten. Diese Dialektik ist ein Kampffeld geblieben. Deshalb erzürnt es mich, dass man fast nur noch von »ehemaligen Bürgerrechtlern« spricht, wenn die Matadoren des Herbstes 1989 zitiert werden, und mehr noch erzürnt mich, dass sie lediglich als Gewährsleute jener erwähnten prinzipiell antikommunistischen Haltung auftreten, kaum aber als Kritiker einer oft genug empörungswerten westlichen Gegenwart.

So vermisse ich seit Jahren den Protest einiger jener Bürgerrechtler, die laut krähend und klagend auf dem Erbe des Mielke-Imperiums sitzen, gegen die Erei

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