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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

Die Religion der Mörder

Ohne Aufklärung und Vernunft wird der Glaube pervertiert

Religiosität kann eine ziemlich lächerliche Angelegenheit sein. Oder eine perverse, ja sogar eine mörderische. Wenn der pakistanische Eisenbahnminister Ghulam Ahmed Bilour jenem 100 000 Dollar verspricht, der den Urheber des Schmäh-Videos über den Propheten Mohammed tötet, dann pervertiert er die Religion – seine Religion. Dann missbraucht er sie für das, was Religionen im Kern immer bekämpft haben: für Rachegedanken, noch dazu blutrünstige. Wenn sich da einer als Richter über Leben und Tod aufspielt und das Leben eines anderen Menschen für ihn nichts mehr zählt – egal wie dumm, aufrührerisch und verblendet dieser gehandelt hat –, dann haben wir es genau mit dem zu tun, was der Minister zu bekämpfen vorgibt: mit Blasphemie, also mit Gotteslästerung. Denn er selbst setzt sich an die Stelle Gottes. Und macht diesen damit klein.

Blasphemie ist es auch, wenn führende Köpfe der brasilianischen Drogenmafia – wie jüngst bei einer Verhaftung entdeckt – in ihren Luxusvillen Kapellen bauen lassen, um dort als »gute Katholiken« ihre privaten Gebete verrichten zu können – Bittgebete um ein gutes Drogengeschäft? Um gierig nachfragende Junkies? Um Vergebung für ihre todbringenden Geschäfte? Wie pervers oder seelisch gespalten muss man sein, um angesichts dieses »religiösen« Schmierentheaters nicht selbst vor Scham im Boden zu versinken? Religion als kultureller Kleister oder Wellness für die Seele?

Es gibt viele Menschen, die in den Religionen die Wurzel vieler, ja fast aller Übel auf der Welt sehen; die in der Religion den Hort der Irrationalität und kindlich-kindischer Verhaltensweisen erkennen. Sie wenden sich mit Grausen ab und sehen sich mitunter gar gezwungen, diese Auswüchse leidenschaftlich zu bekämp