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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2017
Wer ist Herr im Hirn?
Der Streit um den freien Willen
Der Inhalt:

Müssen wir den Kapitalismus überwinden?

von Markus Reiter vom 28.02.2017
»Nein, bloß nicht!«, sagt der Journalist und Volkswirt Markus Reiter. »Nur diesem Wirtschaftssystem gelingt es, die Gier der Menschen in produktive Bahnen zu lenken.« Stimmt das? Debattieren Sie mit! Unsere Pro- und Contra-Reihe #PFDebatte2017 stellt sich großen Fragen der Zukunft
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Müssen wir den Kapitalismus überwinden? Journalist und Volkswirt Markus Reiter sagt: »Bloß nicht!«. In der kommenden Ausgabe von Publik-Forum widersprechen ihm Norbert Bernholt und Bernd Winkelmann. (Foto: iStock by Getty/bluejayphoto)
Müssen wir den Kapitalismus überwinden? Journalist und Volkswirt Markus Reiter sagt: »Bloß nicht!«. In der kommenden Ausgabe von Publik-Forum widersprechen ihm Norbert Bernholt und Bernd Winkelmann. (Foto: iStock by Getty/bluejayphoto)
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Raubtier-Kapitalismus. Investoren als Heuschrecken. Spielcasino der Gierigen. Wer sich anschickt, den Kapitalismus zu verteidigen, muss sich gegen eine Vielzahl suggestiver Metaphern zur Wehr setzen. Wer will sich schon mit einem Raubtier gemeinmachen, das unschuldige Lämmer reißt? Oder mit einem Heuschreckenschwarm, der wie in der achten biblischen Plage über fruchtbare Äcker herfällt? Diese Sprachbilder verschleiern jedoch den Blick auf die Fakten und erschweren es, Argumente nüchtern zu wägen.

Noch um die Jahrtausendwende galt als hoffnungslos vorgestrig, wer den Kapitalismus infrage stellte – oder auch nur soziale Verantwortung und staatliche Eingriffe in die Marktwirtschaft forderte. Mit der großen Schulden- und Eurokrise hat sich der Wind gedreht. Heute werden sogar selbstverständliche marktwirtschaftliche Vorgänge als neokapitalistische Exzesse gebrandmarkt, zum Beispiel wenn eine Firma pleitegeht, weil sie schlecht gewirtschaftet hat. Selbst dass Unternehmen danach streben, Profit zu erwirtschaften, erhält das Odium des Amoralischen.

In Deutschland misstraut inzwischen rund die Hälfte der Bevölkerung dem Kapitalismus – ungefähr genauso viele wie dem Sozialismus. Etwas mehr als die Hälfte der 18- bis 29-jährigen US-Amerikaner äußert sich antikapitalistisch. Bei ihnen ist diese Wirtschaftsordnung sogar unbeliebter als der Sozialismus. Rechte wie linke Populisten, neomarxistische Denker wie bürgerliche Intellektuelle sind sich einig: Der Kapitalismus sei dem Tode geweiht. Er schaffe unerträgliche Ungleichheit und sei verantwortlich für die Ausbeutung von 99 Prozent der Weltbevölkerung. Wie und warum also den Kapitalismus verteidigen? Für ihn lassen sich zwei Argumente finden. Erstens: Es gibt n

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