Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2012
Mordshunger
Die Würde des Tieres ist antastbar
Der Inhalt:

Mordshunger

von Teresa Schneider, Bettina Röder vom 25.08.2012
Hauptsache viel, schnell und billig: Der Renditewahn hat sich längst auch in der Viehwirtschaft durchgesetzt. Die Folge sind massenhaft gequälte Tiere. Doch der Protest dagegen wächst
Gequälte Kreatur: Für den enormen Fleischbedarf der Westeuropäer müssen immer mehr Tiere leiden. (Foto: pa/okapia/Reinhard)
Gequälte Kreatur: Für den enormen Fleischbedarf der Westeuropäer müssen immer mehr Tiere leiden. (Foto: pa/okapia/Reinhard)

Johanna Baumann stützt die Ellbogen auf das Gatter. »Na kommt, ab in den Stall!«, ertönt ihr Ruf über die Weide. Die Rinder hören auf zu grasen, heben den Kopf und traben auf sie zu. Ein neugeborenes Kälbchen stakst neben seiner Mutter her, ganz am Ende der Herde trottet der Bulle. Alltag auf dem »Heimathof«. Doch bei Weitem nicht Alltag in der deutschen Viehhaltung.

18 Hektar Grünland, ein kleines Stück Wald, knapp dreißig Rinder, ein paar Hühner: Seit 1984 bewirtschaften Johanna Baumann und ihr Ehemann Gerhard im Nebenerwerb den kleinen Bio-Betrieb in der Nähe von Schwäbisch Hall. Vom Frühjahr bis in den späten Herbst weiden die Rinder auf den Wiesen rund um den Hof. »Wir halten nur so viele Rinder, wie unsere Grünflächen an Futter hergeben«, sagt die Bäuerin. Um ihnen lange Transportwege und Stress zu ersparen, bringt ihr Mann die schlachtreifen Rinder einzeln zu einer nur acht Kilometer entfernten kleinen Metzgerei. Dort werden sie noch im Hänger getötet. »Wir wollen nicht, dass die Tiere unnötig leiden«, sagt er.

»Kleine Betriebe wie unserer sind nicht rentabel«, sagt der Landwirt

Mit dem Heimathof haben sich die Baumanns einen Traum erfüllt. Nur leben können die Eltern zweier Kinder davon nicht. Deshalb war Gerhard Baumann bis zu seiner Rente vor zwei Jahren hauptberuflich als Polizist tätig. »Kleine Betriebe wie unserer sind nicht rentabel«, der Landwirt zuckt mit den Achseln. »Je größer, desto billiger kann man produzieren.«

Szenenwechsel: Der kleine Ort Binde in Sachsen-Anhalt, nahe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, ist eigentlich idyllisch gelegen. Doch hinter dem Wald in der Nähe des 250 Einwohner zählenden Örtchens stinkt es

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Der Kommentierungszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen, daher können Sie ihn leider nicht mehr kommentieren.