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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2020
Arbeiten und Leben nach Corona
Was wir aus der Krise lernen können
Der Inhalt:

»Koloniale Strukturen setzen sich fort«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 25.05.2020
Vorwürfe an die Europäer: Der Philosoph Boniface Mabanza beschuldigt sie des Egoismus – und kritisiert die Afrikanische Union für die geplante neue Freihandelszone
Boniface Mabanza über afrikanische Devisenreserven bei der französischen Nationalbank: »Das ist imperiale Machtpolitik auf geldpolitischer Ebene«
Boniface Mabanza über afrikanische Devisenreserven bei der französischen Nationalbank: »Das ist imperiale Machtpolitik auf geldpolitischer Ebene«

Publik-Forum: Herr Mabanza, inwiefern setzen sich in den heutigen Wirtschaftsbeziehungen europäischer und afrikanischer Staaten koloniale Strukturen fort?

Boniface Mabanza: Wo soll ich da anfangen? Freihandelsabkommen sind ein Beleg für das ungleiche Machtverhältnis zwischen Europa und Afrika. Auch die Tatsache, dass viele afrikanische Länder Europa bloß als Rohstofflieferant dienen, spricht Bände. Ein Grund, dass beispielsweise aus Ghana Kakao, nicht aber das Fertigprodukt Schokolade exportiert wird, ist, dass die Europäer nach der Unabhängigkeit ihrer Kolonien sicherstellten, dass sie weiterhin an Rohstoffe kommen. Sie sorgten mit tarifären und nicht-tarifären Handelshemmnissen dafür, dass die afrikanischen Staaten nur Rohstoffe exportierten. Das ist überwiegend so geblieben, bis heute.

Dieses Jahr feiern 17 afrikanische Staaten sechzig Jahre Unabhängigkeit …

Mabanza: … aber wie unabhängig sind sie wirklich? Nehmen wir zum Beispiel die Währungsdiskussion. Acht westafrikanische Staaten wollen Ende 2020 eine eigene Währung einführen, den Eco. Diese Einheitswährung soll den CFA-Franc ersetzen, dessen Wechselkurs an den Euro gebunden ist. Auch hier wirkt die koloniale Geschichte fort. Der Franc wurde in Staaten wie Senegal in der Kolonialzeit eingeführt. Das bot währungspolitisch Stabilität, aber die war und ist teuer erkauft: Die Länder, in denen mit CFA-Franc gezahlt wird, verpflichten sich, fünfzig Prozent ihrer Devisenreserven bei der französischen Nationalbank zu lagern. Für jede Tonne Kakao aus der Elfenbeinküste oder Baumwolle aus Burkina-Faso bleibt die H

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Winfried Reppe
13.08.202016:38
Sehr geehrter Herr Mabanza,
Ihren Aussagen kann ich nur zustimmen!

Es geht ausschließlich um die Interessen der EU!
Durchgesetzt werden Sie u.A. mit der staatlichen "Entwicklungs"hilfe. Diese, neuerdings "Entwicklungs"zusammenarbeit genannten Strukturen sind reiner Selbstzweck und verhindern mit ihrer Gängelei jegliche wirkliche und national selbständige Entwicklung. Die beginnt in der Regel mit der (möglichst nachhaltigen) Nutzung der mineralischen Rohstoffe zum Aufbau der nationalen Infrastruktur.
Diese Rohstoffe zu erschließen, aufzubereiten und zu verarbeiten, das muss jede Nation eigenständig übernehmen.
Da in der Basisindustrie "Steine & Erden" zumindest in der Aufbauphase keinerlei Gewinne zu erwarten sind, gibt es hier auch kein Interesse ausländischer Investoren.
ALLE Industrienationen haben ihre Bau- und Baustoffindustrien eigenständig entwickelt!
MfG Winfried Reppe