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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2016
Gefährlicher Egoismus
Warum sich die Deutschen mit Gerechtigkeit so schwertun
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Gefährlicher Egoismus

von Wolfgang Kessler vom 03.11.2016
Immer mehr Ökonomen warnen vor den Folgen einer wachsenden sozialen Ungleichheit in Deutschland. Doch die Mehrheit der Bundesbürger lehnt eine gerechtere Verteilung des Reichtums ab. Was nun? Die Titelgeschichte in der neuen Ausgabe von Publik-Forum
Die einen kommen kaum über die Runden, die anderen kaufen, kaufen, kaufen: Wer hat, will möglichst wenig weitergeben von seinem Reichtum.(Foto: pa/McPHOTO)
Die einen kommen kaum über die Runden, die anderen kaufen, kaufen, kaufen: Wer hat, will möglichst wenig weitergeben von seinem Reichtum.(Foto: pa/McPHOTO)

Nirgends sonst in der Eurozone sind die Vermögen ungleicher verteilt als in Deutschland«, sagt der Ungleichheitsexperte Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Deshalb tagt derzeit kaum eine kirchliche Versammlung, kein Kongress einer Partei links von der Mitte und kaum eine Basisorganisation, ohne dass vehement eine gerechtere Verteilung des Reichtums gefordert wird. Doch so einleuchtend diese Forderung klingt, so zweischneidig reagiert die Bevölkerung auf diese Debatte. Natürlich sind alle grundsätzlich für Gerechtigkeit. Doch Vorschläge nach einer Umverteilung des Reichtums sind alles andere als willkommen. Dies wiederum erzürnt viele Wirtschaftsexperten – und bei Weitem nicht nur linke. Denn sie halten die wachsende soziale Ungleichheit gerade in Deutschland nicht »nur« für ein moralisches Problem, sondern für ökonomisch gefährlich.

Dass viele Deutsche in Sachen Gerechtigkeit gespaltene Persönlichkeiten sind, enthüllte eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach Anfang September. Sie hat die Befindlichkeit der heute 30- bis 59-Jährigen untersucht. Und festgestellt, dass 72 Prozent ihre eigene Lage als »gut« bezeichnen. Mehr als 70 Prozent der Befragten glauben jedoch, in Deutschland habe die Kluft zwischen Arm und Reich in den vergangenen drei bis vier Jahren zugenommen. Und 64 Prozent empfinden die Verteilung von Vermögen und Einkommen als nicht gerecht. Lediglich 14 Prozent haben das Gefühl, in einer gerechten Gesellschaft zu leben.

Gleichzeitig lehnt eine Mehrheit unter den 30- bis 59-Jährigen die Einführung einer Vermögenssteuer für Reiche oder die Anhe

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