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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2016
Gefährlicher Egoismus
Warum sich die Deutschen mit Gerechtigkeit so schwertun
Der Inhalt:

Gewinnefür alle

von Bernd Pieper vom 04.11.2016
Viele Biobauern besitzen kein Land. Ihnen hilft jetzt die Genossenschaft BioBoden

Zweimal im Jahr gehen die Rinder des Haffwiesenhofs auf Seefahrt: Mit einem Pontonschiff werden sie vom Festland auf die Vogelschutzinsel Riether Werder im Stettiner Haff übergesetzt. Nach der wackeligen Partie warten leckere Salzwiesen und eine verantwortungsvolle Aufgabe: Die Tiere sorgen durch schonende Beweidung dafür, dass seltene Vogelarten wie Kiebitz und Uferschnepfe auf der rund achtzig Hektar großen Insel ideale Lebensbedingungen vorfinden.

Arten- und Umweltschutz wird groß geschrieben auf dem Haffwiesenhof im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns. Er ist einer von 15 vor allem in Ostdeutschland gelegenen Partnerbetrieben der Genossenschaft BioBoden. Seit Juni 2015 sammelt sie Kapital, um damit landwirtschaftliche Flächen zu kaufen. Diese werden an Landwirte verpachtet, die kein eigenes Land besitzen. Sie müssen sich verpflichten, die Flächen ökologisch zu bewirtschaften und sich einem anerkannten Bioverband anzuschließen.

Landwirtschaft und Naturschutz miteinander zu verbinden ist ein zentrales Ziel der Genossenschaft: »Wir wollen zeigen, dass beide Bereiche voneinander profitieren«, sagt BioBoden-Geschäftsführer Uwe Greff. So wie auf dem Haffwiesenhof. Große Teile des rund 700 Hektar großen Betriebs mit Rindern, Schafen, Schweinen und Ackerbau liegen inmitten eines Vogelschutzgebiets am Rand des Naturparks Stettiner Haff. Neben der extensiven Beweidung sorgen weitere landwirtschaftliche Praktiken dafür, dass die Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen erhalten bleibt. »Wir verwenden zum Beispiel spezielle Mähbalken, die den Boden weniger belasten«, sagt Matthias Beerstecher, der den Bioland-Betrieb leitet.

Agrarflächen sind längst begehrte Spekulationsobjekte. Das begann vor zehn Jahren, als die Lebensmittelpreise weltweit in die Höhe schossen, und setzte sich mit der Finanzkrise 2008 fort, als viele der klassischen Anlageprodukte rapide an Wert verloren – und die Anleger sich auf Ackerland stürzten. Der Trend hält an: Eine wachsende Weltbevölkerung will ernährt werden, und der lukrative Anbau von Energiepflanzen für die Erzeugung scheinbar umweltfreundlicher Biokraftstoffe lässt die Preise für Ackerböden in die Höhe schießen.

Gleichzeitig werden in Deutschland immer mehr Höfe aufgegeben – aus ökonomischen Gründen oder weil ein Nachfolger fehlt. Seit

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