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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2020
Der Sinnlosigkeit widerstehen
Ostern in der Corona-Krise
Der Inhalt:

Hilft die Erfahrung der Wende in der Corona-Krise?

von Ulrike Scheffer vom 20.04.2020
Im Alltag, im Umgang miteinander, im eigenen Seelenleben – das Virus wirft alte Gewissheiten über den Haufen. Nicht alle Deutschen erleben das zum ersten Mal.
Im Osten wie im Westen: Leere Regale beim Toilettenpapier (Foto: Peter Schatz / Alamy Stock Photo)
Im Osten wie im Westen: Leere Regale beim Toilettenpapier (Foto: Peter Schatz / Alamy Stock Photo)

Kein Toilettenpapier? Karoline Preisler fühlt sich beim Anblick leerer Supermarktregale in das Jahr 1989 zurückversetzt. Die FDP-Politikerin aus Mecklenburg-Vorpommern erwartete damals ihr erstes Kind und konnte nirgends Windeln auftreiben. »Ich hatte regelrecht Panik«, erzählt sie. Und heute? »Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Ich mache mir keine Sorgen.« Das mag auch daran liegen, dass Preisler im März bereits schwer an Corona erkrankte und dank der guten Versorgung in einer Klinik in Stralsund wieder genesen ist. Sie hat allen Grund, optimistisch zu sein.

Aber wie steht es um ihre Mitbürger? Die Tatsache, dass im Osten Toilettenpapier, Nudeln und Mehl in diesen Tagen ebenso Mangelware sind wie im Westen, zeugt mindestens von großer Unsicherheit: »Auch für Ostdeutsche ist diese Krise eine völlig neue Erfahrung.« Das sagt die Soziologin Susanne Rippl von der TU Chemnitz. Mit der Zeit nach der Wende sei der Corona-Ausbruch nicht zu vergleichen. Viele profitierten heute aber von ihren Erfahrungen damals, als Millionen Menschen innerhalb kurzer Zeit ihre Arbeit verloren und um ihre Existenz bangten. »Menschen, die den Umbruch positiv gemeistert haben, können auf diese Erfahrungen als Ressource zurückgreifen und Selbstvertrauen aktivieren.« Sie sagt aber auch: Manch einen im Osten könne die Angst vor einem erneuten Kontrollverlust belasten.

Eine kollektive Krisenresistenz lässt sich aus den Wendeerlebnissen also nicht ableiten. Dennoch haben Ostdeutsche einen besonderen Erfahrungsschatz. »Ich erlebe, dass sich die Menschen wieder auf ihr privates Umfeld zurückziehen«, sagt Pfarrer Michael Führer, der die evangelische Gemeinde Gruna-Seidnitz am Rande von Dresden betreut. Er sieht darin ein

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