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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
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Eine andere Pflege ist möglich

von Barbara Tambour vom 08.06.2017
Ein Hund auf Station, Rührei zum Frühstück und bei schönem Wetter Abendessen im Garten. Ein Heim in Lindau trotzt dem Pflegenotstand und zeigt: Es gibt eine Pflege jenseits von Dauerstress und Rendite
Frische Luft und Eins-zu-eins-Be?treuung: Eine Bewohnerin und ein Mitarbeiter drehen eine Runde im Elektrotandem.  (Foto: Maria-Martha-Stift.de)
Frische Luft und Eins-zu-eins-Be?treuung: Eine Bewohnerin und ein Mitarbeiter drehen eine Runde im Elektrotandem. (Foto: Maria-Martha-Stift.de)

Luise Kohler spricht nicht mehr. Laufen kann sie auch nicht mehr. Seit sieben Jahren lebt die 95-Jährige im Maria-Martha-Stift, einem Altenpflegeheim in Trägerschaft der Diakonie in Lindau am Bodensee. Weil sie morgens nur schwer wach wird, geht Altenpflegerin Marion Müller als Letztes zu ihr, wenn die anderen 16 Seniorinnen und Senioren der Station schon beim Frühstück im Gemeinschaftsraum sitzen.

»Frau Kohler, guten Morgen!« Altenpflegerin Marion Müller nimmt ihre Hand, beugt sich über sie und sucht ihren Blick. Doch die Augen bleiben geschlossen. »Frau Kohler. Aufwachen!« Marion Müller wäscht die reglose Frau, zieht sie an, setzt sie in den Rollstuhl. Als die Pflegerin ihr den Pullover hinhält, hebt die 95-Jährige erst den einen Arm, dann den anderen, kaum einen Zentimeter hoch. »Prima, Frau Kohler!«, lobt die Altenpflegerin. Dann schiebt sie Luise Kohler, die eigentlich anders heißt, in den Gemeinschaftsraum zum Frühstück – vorbei am Käfig mit zwei Wellensittichen und einem Schild »Heute ist Hund Chico zu Besuch«.

Im Gemeinschaftsraum riecht es nach Speck und Rührei. Zwischen den drei Gruppentischen steht die Küchenchefin des Hauses hinter einem Rollwagen, darauf eine mobile Kochplatte und zwei Paletten mit Eiern. In der Pfanne brutzelt es. Immer mittwochs geht sie auf eine der drei Stationen: Mal presst sie Saft aus Äpfeln und Karotten, mal schnippelt sie gemeinsam mit den Senioren Gemüse für den Mittagseintopf – und kocht ihn dann auch gemeinsam mit ihnen. Einmal im Monat bespricht sie den Speiseplan mit den Bewohnern: Was hat geschmeckt? Was nicht? Was soll es einmal geben? Draußen regnet es Bindfäden, drinnen herrscht beinahe heimelige

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