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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

Mütter auf der Flucht

von Chrissi Wilkens, Salinia Stroux vom 09.06.2017
Tausende Frauen und Kinder leben in Griechenlands Flüchtlingslagern. Ein Besuch

Die Frau aus Afghanistan umklammert ihr drei Monate altes Baby. Erschöpft blickt die Mutter von vier Kleinkindern auf das große Gebäude des ehemaligen Flughafens Elliniko. Dort lebt sie mit ihrer Familie seit über einem Jahr. Erst zelteten sie vor dem Gebäude. Schließlich fanden sie in der Abflughalle einen Platz für ihr Zelt, zwischen Hunderten von Geflüchteten. Viele harren dort schon seit März 2016 aus, als das umstrittene Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei in Kraft trat.

»In meiner Schwangerschaft litt ich unter einer schweren Depression«, erzählt A. »Ich wollte kein weiteres Kind in dieses Leben gebären, ohne Zugang zu Schule und ohne Zukunft. Doch als man mir das Kind nach der Geburt reichte und sagte, es sei ein gesundes Mädchen, da weinte ich einen ganzen Tag lang«, erinnert sie sich. Ihr Mann versucht derzeit, über die Hafenstadt Patras nach Mitteleuropa zu gelangen. »Es macht mir Angst, ohne ihn zu sein«, sagt sie. Im Lager gebe es viele alleinstehende Männer. »Jede Nacht betrinken sich welche. Ich kann nachts nicht schlafen vor Panik«, bekennt die junge Mutter.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte Ende März die sofortige Schließung der drei Lager in Elliniko. Die Liste der Mängel ist lang: zu wenige Toiletten und Duschen, keine Privatsphäre, keine ausreichende medizinische Versorgung, keine Beschulung der Kinder und kein Gefühl der Sicherheit – so beschreibt Afrin das Leben in Elliniko.

Maria Liapi vom Zentrum für Frauenstudien und Frauenforschung »Diotima« in Athen betont, dass insbesondere alleinstehende Frauen und Mütter in den Lagern von genderspezifischer Gewalt bedroht seien. Sie stünden unter starker Belastung: »Die Frauen sind mit der Erziehung der Kinder beschäftigt und kümmern sich oft gleichzeitig noch um andere Verwandte, die im selben Lager wohnen«, so Liapi. Zusätzlich seien sie mit der Frustration der Männer konfrontiert, die sich nutzlos fühlten, weil sie keine Arbeit haben.

Etwa eine Fahrtstunde von Athen entfernt liegt ein Containerlager. Dort lebt die 29-jährige S. aus Syrien; sie ist im achten Monat schwanger. »Meine Gedanken sind bei meinen zwei kleinen Kindern in Deutschland«, sagt sie. Die Familie wurde getrennt, nachdem sie vor über einem Jahr versucht hatte, die griechisch-mazedonische Grenze zu überqueren. S. und ihr Mann warten auf di

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