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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2020
Berühre mich!Aber fass mich nicht an
Leben, lachen, glauben in Corona-Zeiten
Der Inhalt:

Das Corona-Virus und der Kapitalismus

von Wolfgang Kessler vom 01.04.2020
Die Krise macht überdeutlich, wo es hapert bei der Sozialen Gerechtigkeit, der Globalisierung und in unserem Gesundheitssystem. Fünf Lehren, die schon heute aus der Corona-Krise gezogen werden können
(Zeichnung: Mester)
(Zeichnung: Mester)

Man traut seinen Ohren nicht: Da fragt ein CDU-Landesgesundheitsminister, ob es die Krankenhäuser mit ihrem Spardiktat nicht übertrieben hätten. Wo der Begriff »Enteignung« noch vor wenigen Monaten hasserfüllte Reaktionen auslöste, werden jetzt Verstaatlichungen diskutiert. Ökonomen und Politiker brandmarken Hamsterkäufe und appellieren an die Solidarität, obwohl doch seit Jahrzehnten gepredigt wird: »Gut ist, was dir nützt.«

Offenbar braucht es ein tödliches Virus, damit die Mehrheit in Politik und Wirtschaft erkennt, dass der freie Markt allein keine Krisen bewältigen kann. Doch wie lange wird diese Einsicht bestehen? Wie groß die Gefahr ist, dass Politik, Wirtschaft und auch viele Bürger nach Krisen einfach die »Reset-Taste« drücken, zeigt die Finanzkrise von 2008. Damals rettete der Staat die Banken mit dreistelligen Milliardenbeträgen. Schon nach wenigen Monaten wurde wieder gezockt; die Finanzinvestoren sind heute mächtiger denn je.

Auch jetzt würden viele am liebsten gleich auf die Reset-Taste drücken. Dabei wirft die Corona-Krise nicht nur Fragen an die Entwicklung des globalen Kapitalismus auf, sondern offenbart auch das große Potenzial an Solidarität und Kreativität, das in den Menschen steckt. Folgende Lehren lassen sich aus dieser Krise ziehen:

Soziale Gerechtigkeit fördern

Unsere Gesellschaft ist fragil. Großunternehmen haben hohe Reserven, viele Menschen sichere, gut bezahlte Jobs und Ersparnisse. Aber: Millionen Arbeitnehmer erhalten zwar Kurzarbeitergeld, zittern jedoch um ihre Arbeitsplätze. Für Hunderttausende Kleinunternehmen, Solo-Selbstständige, Kulturschaffende und Geringverdiener sind Geschäftspausen existenzbedrohend, f

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