Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
Der Inhalt:

Die Toten von Cizre

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 19.02.2016
Die türkische Luftwaffe fliegt aktuell Angriffe im Nordirak, um Kurden zu treffen. Im Südosten der Türkei tobt der Kampf zwischen türkischen Sicherheitskräften und Kurden schon seit geraumer Zeit. Währenddessen hofiert die EU Staatspräsident Erdogan in der Flüchtlingsfrage – und verkennt, wie gefährlich die Lage ist
Verzweiflung in Cizre: Hunderte Tote gab es in den letzten Monaten bei Kämpfen zwischen PKK und türkischem Militär, darunter viele Zivilisten. (Foto: Sertac/Reuters)
Verzweiflung in Cizre: Hunderte Tote gab es in den letzten Monaten bei Kämpfen zwischen PKK und türkischem Militär, darunter viele Zivilisten. (Foto: Sertac/Reuters)

Cizre, die Stadt am Tigris im Südosten Anatoliens, wird für Kurden zu einem Symbol der Verzweiflung. 19 Menschen waren zuletzt in einem Gebäude eingeschlossen, das von türkischen Sicherheitskräften beschossen wird. Verletzte verbluten, das Militär lässt keine medizinische Hilfe durch. Es gibt kein Wasser. Neben den Verwundeten verwesen die Leichen. Wer versucht, die Toten zu bergen, wird erschossen.

Cizre ist nicht die einzige Stadt im Süden der Türkei, in der bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. In vielen Städten sind Ausgangssperren verhängt; weite Teile der Altstadt von Diyarbakir sind eingeschlossen. Den Menschen bleibt nur die Flucht oder das Ausharren ohne Lebensmittel, Wasser und Strom. »Die massive Zerstörung von Stadtteilen erinnert einen fast an syrische Dimensionen«, sagt Martin Glasenapp von Medico international. Mit den Ereignissen in Cizre aber sei eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Südosten könnten auf die gesamte Türkei überschwappen.

Wie konnte es so weit kommen? Anfang letzten Jahres standen die Zeichen noch auf Entspannung. In den Jahren zuvor, unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, gab es eine vorsichtige Annäherung zwischen Kurden und türkischer Regierung. Erdogans islamische Partei AKP begann, in kurdische Gebiete zu investieren, sie erlaubte kurdische Fernsehsender und kurdischen Sprachunterricht. »Die Kurden wurden unter Erdogan erstmals als eigene Ethnie überhaupt anerkannt«, sagt Siamend Hajo, Berliner Kurde und Vorstandsmitglied des Europäischen Zentrums für kurdische Studien. »Alles nur Rhetorik!«, kontert Songül Karabulut vom Kurdischen Nation

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen