Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2019
Respekt. Vertrauen. Versöhnung
Was der Mensch zum Leben braucht
Der Inhalt:

Das Geheimnis politischer Freundschaften

von Ulrike Scheffer vom 27.12.2019
»Liebe Claudi«, nannte Günther Beckstein Claudia Roth. Politiker aus verschiedenen Parteien verstehen sich menschlich oft erstaunlich gut. Doch wie eng können solche Verhältnisse sein?
Zwei, die gut miteinander können: Claudia Roth (Grüne) und Günther Beckstein (CSU). (Foto: Heinzlmeier)
Zwei, die gut miteinander können: Claudia Roth (Grüne) und Günther Beckstein (CSU). (Foto: Heinzlmeier)

Liebe Claudi«, beginnt ein Brief an Claudia Roth. Verfasst hat ihn vor einigen Jahren der bayerische CSU-Politiker Günther Beckstein. Er schreibt weiter: »Schade, dass Du als Vorsitzende der Grünen aufhörst, ich werde Deine manchmal schrille oder auch etwas spinnige Art vermissen.« Der frühere Ministerpräsident, damals, im Herbst 2013, gerade Polit-Rentner geworden, meinte das ehrlich, ohne ironischen Unterton. Er wünschte Roth für ihre neue Rolle als Vizepräsidentin des Bundestages viel Glück und schloss seinen Brief »mit herzlichen Grüßen«. In Zeiten, in denen Beleidigungen und Anfeindungen den Ton in der Politik bestimmen, wirkt eine solche Geste wie aus der Zeit gefallen. Doch sie ist kein Einzelfall, jedenfalls nicht in der deutschen Politik.

Als sich Norbert Lammert im Herbst 2017 als Bundestagspräsident verabschiedete, rührte ihn ausgerechnet der Linkenpolitiker Gregor Gysi zu Tränen. In einer kurzen Intervention bedankte sich Gysi im Parlament bei Lammert dafür, dass er stets als Präsident aller Abgeordneten aufgetreten sei. »Sie konnten akzeptiert werden von der CSU bis zur Linken. Das muss man erst einmal hinkriegen.« Das Parlament habe dadurch eine andere Stellung in der Gesellschaft erhalten. »Das verdanken wir Ihnen.« Die knapp vierminütige Lobeshymne wurde immer wieder durch Beifall aus allen politischen Fraktionen unterbrochen. Lammert schaute dabei verlegen auf den Boden und war schließlich so ergriffen, dass er feuchte Augen bekam.

Szenen wie diese stehen im wohltuenden Kontrast zur Polemik, mit der auch Politiker zunehmend in sozialen Medien politische Gegner angehen. Im Bundestag hat sich der Umgangston ebenfalls deutlich verschärft, seit dort die AfD eingezogen ist. Die rechten Popu

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.