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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2020
»Die Zeit läuft uns weg«
Ein Gespräch mit Georg Bätzing
Der Inhalt:

Der IS stößt ins Machtvakuum

von Ulrike Scheffer vom 08.06.2020
Nahezu ungebremst terrorisieren Extremisten vom sogenannten Islamischen Staat weite Teile Afrikas. Die Sahelregion haben sie bereits destabilisiert.
Mitglieder des sogenannten Islamischen Staates posieren für ein Propaganda-Foto nach einem Anschlag im Januar in Niger (Foto: Screenshot)
Mitglieder des sogenannten Islamischen Staates posieren für ein Propaganda-Foto nach einem Anschlag im Januar in Niger (Foto: Screenshot)

Was der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Westafrika und den Sahel im Januar im UN-Sicherheitsrat zu berichten hatte, klingt höchst alarmierend: Nicht weniger als 700 Terrorattacken haben die drei Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger vergangenes Jahr erlebt. 4000 Menschen wurden getötet, 1800 allein in Burkina Faso, wo Islamisten im Dezember eine Kirche stürmten und 14 Gläubige regelrecht hinrichteten. Viele der Angriffe schreiben die UN dem sogenannten Islamischen Staat zu. Die Terrororganisation hat zwar ihr Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien weitgehend verloren, verschwunden ist sie aber nicht. Anfang Mai griff sie im Irak und in Nordsyrien bereits wieder an. Auch in Afghanistan oder Sri Lanka etwa bekennen sich immer mehr Islamisten zum IS. Die meisten Opfer sind Muslime, immer öfter werden auch Christen zum Ziel.

Besonders gefährlich stufen die UN die Lage in Afrika ein. Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich im Sicherheitsrat »tief besorgt über die Ausbreitung der Gewalt in der Sahel-Region, die inzwischen auch westafrikanische Küstenstaaten entlang des Golfs von Guinea erreicht hat«. Es besteht die Gefahr, dass sich die Gewalt- und Machtsphäre des IS weiter ausdehnt und viele Regionen destabilisiert werden.

Die Entwicklung in Burkina Faso macht deutlich, warum es der IS in Afrika leicht hat – und wie verheerend sein Vormarsch für die Menschen ist. Das Land gehört zu den ärmsten der Welt, doch immerhin herrschte lange Frieden. In den vergangenen Jahren haben sich die Lebensbedingungen aber dramatisch verschlechtert. Die Wüste breitet sich aus, die zunehmende Trockenheit in den Randgebieten führt zu Konflikten zwischen Bauern und Viehnomaden.

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