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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
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Der große Schwund

von Markus Dobstadt vom 23.11.2017
Forscher schlagen Alarm: Die Zahl der Insekten und Vögel in Europa geht dramatisch zurück. Auch wenn die Ursachen weiter erforscht werden müssen, ist klar, dass diese Entwicklung die EU-Agrarpolitik und die konventionelle Landwirtschaft infrage stellt. Die Titelgeschichte in der neuen Ausgabe von Publik-Forum
Nicht nur Bienen sind gefährdet, die Zahl aller Insekten geht dramatisch zurück, wie Forscher aus Krefeld festgestellt haben. Und damit leiden auch Vögel, für die sie Nahrungsgrundlage sind (Foto: istockphoto/Derweduwen Marrcel)
Nicht nur Bienen sind gefährdet, die Zahl aller Insekten geht dramatisch zurück, wie Forscher aus Krefeld festgestellt haben. Und damit leiden auch Vögel, für die sie Nahrungsgrundlage sind (Foto: istockphoto/Derweduwen Marrcel)

Die Studentin Antonia Leonie Müller-Ruff ist noch immer entsetzt. Die angehende Umweltingenieurin hat mit einem weiteren Studenten der Technischen Hochschule Bingen im Frühjahr in einem 400 Hektar großen Gebiet bei Sprendlingen in Rheinland-Pfalz die Vogelwelt untersucht. Die Ergebnisse waren »unterirdisch«, wie sie sagt. Die Studenten haben in acht Tagen und zwei Nächten lediglich 36 Brutvogelarten gefunden. Schon noch Amsel, Drossel, Star, aber nur eine Dorngrasmücke, einen Sperber und keine Eulen: »Es sind noch Vögel da, aber nicht so viele, wie man denkt«, berichtet sie. Auf eine Anfrage der Bündnisgrünen zum Vogelbestand in Deutschland hatte die Bundesregierung im Sommer geantwortet, dass 13 Vogelarten inzwischen ausgestorben, 29 Arten stark bedroht, 19 stark gefährdet und 27 Arten gefährdet sind. Ein schleichender Schwund. Folgt auf diesen Herbst und Winter ein Frühling ohne Vogelgezwitscher und Bienengesumme?

Darauf will Lars Lachmann, Leiter Ornithologie beim Naturschutzbund (Nabu), der wie Müller-Ruff zu einer Tagung der Evangelischen Akademie nach Loccum gekommen ist, »nicht mit Ja oder Nein« antworten. Aber deutlich macht er: »Gerade die häufigen Vogelarten gehen stark zurück.« Beim Star, Vogel des Jahres 2018, ist der Bestand in Deutschland zwischen 1998 und 2009 um 2,6 Millionen oder 42 Prozent zurückgegangen, auch Buchfink, Feldlerche oder Grünfink sind bedeutend seltener geworden, Rebhühner und Kiebitze, früher Allerweltsvögel, sind vom Aussterben bedroht, und das Braunkehlchen ist stark gefährdet. Lachmann meint: »Es gibt tatsächlich einen Vogelschwund. Nicht unbedingt, was die Zahl der Arten, aber

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