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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

Besuch in Fukushima

von Sebastian Pflugbeil vom 24.11.2011
Wer nach Japan kommt, fühlt sich an Tschernobyl erinnert: Politiker leugnen, Experten beschwichtigen. Dafür nehmen mutige Bürger ihr Schicksal in die Hand. Ein Reisebericht
Strahlenmessungen in Fukushima: Die Zerstörung geht schrittweise vor sich (Foto: pa)
Strahlenmessungen in Fukushima: Die Zerstörung geht schrittweise vor sich (Foto: pa)

Eigentlich hätte nach Tschernobyl alles klar sein können: ein Kernkraftwerk kann explodieren, sich völlig zerstören. Die radioaktiven Wolken ziehen Tausende Kilometer weit, Millionen ahnungsloser Menschen werden vom Fallout getroffen, die Bewohner großer Gebiete müssen evakuiert werden, auf Jahrzehnte bleiben große Gebiete unbewohnbar. Die einzig mögliche logische Konsequenz kann nur lauten: so schnell wie möglich raus aus dieser Technologie. Doch die Katastrophe von Fukushima beweist einmal mehr, dass Logik in der Atompolitik nicht zählt.

Verharmlosung von Tschernobyl

Blättert man in den Unterlagen der Nach-Tschernobyl-Jahre, so findet man Belege dafür, dass gerade die für den Kernenergiebereich verantwortlichen Behörden und ihre führenden Wissenschaftler alles andere als logisch dachten. Der Präsident des Staatlichen Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz, Professor Georg Sitzlack, antwortete damals auf die Frage von Journalisten, ob man nicht nach Tschernobyl alle Atomkraftwerke stilllegen müsste, mit folgendem Satz: »Jeder Schuster kloppt sich mal auf den Daumen. Wenn das der Maßstab wäre, hätten wir keine Schuhe.«

Einer seiner Mitarbeiter, R. Richter, trug auf einer internationalen Konferenz 1988 vor: »Die langjährigen Betriebserfahrungen und die Schlussfolgerungen aus den Unfällen in den Kraftwerken Three Mile Island und Tschernobyl belegen, dass Kernkraftwerke und andere Kernanlagen sicher betrieben werden können.« Zehn Jahre nach der Explosion besuchte die damalige Umweltministerin Angela Merkel Tschernobyl. Ihre Kommentare waren: »Robuste russische Technik«, und »Fortschritte der Sicherheitstechnik«. Dann schob sie den Schwarzen Peter diskret der Anti-Atomkraft-Bewegung zu: »Der Kampf gegen genehmigte Kernkr

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