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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2017
Wer ist Herr im Hirn?
Der Streit um den freien Willen
Der Inhalt:
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Wir holen unsere Oma zurück

von Ronja Hoffmann vom 23.02.2017
Meine Großmutter hat Parkinson und lebte vier Jahre im Pflegeheim. Dort ist sie immer kränker geworden, lustlos und schwach. Dann hörten wir von Dana, beriefen den Familienrat ein und fassten einen Entschluss
Wieder daheim: Meine Großmutter liest, entspannt im Sessel sitzend, ihre Post. (Foto: Ronja Hoffmann)
Wieder daheim: Meine Großmutter liest, entspannt im Sessel sitzend, ihre Post. (Foto: Ronja Hoffmann)

Ich stehe in der Küche meiner Oma. Um mich herum sind lauter Dinge, die ich seit meiner Kindheit kenne. Der Topf, in dem sie immer den Milchreis gekocht hat; die durchsichtigen Dosen mit den selbst gemachten Suppennudeln, die sie »Grieberle« nennt. Und jetzt, mehr als 15 Jahre später, stehe ich selbst an diesem Herd und koche für meine Oma. Denn wir haben sie vor ein paar Wochen aus dem Altersheim zurückgeholt, heim in ihre alte Wohnung.

»Das Essen wird niemals bis zwölf Uhr fertig«, schimpft Oma. Es gibt Kartoffeln, Rindfleisch und Dillsoße, wie früher. Aber natürlich mache ich alles falsch. Das Fleisch hätte viel mehr Zeit gebraucht, und statt Wasser kippe ich Milch in die Mehlschwitze. Sogar der Teller, auf dem ich das Fleisch angerichtet habe, ist nicht der richtige. Erstaunlich ist aber, dass Oma mir selbst den Weg zur richtigen Pfanne weist und noch haargenau weiß, wo die Lorbeerblätter stehen. Dabei hat sie doch die letzten vier Jahre im Altersheim gelebt und wohnt erst seit ein paar Wochen wieder hier, in ihren eigenen vier Wänden.

Meine Oma ist inzwischen 85 und hat Parkinson. Es kam schleichend, aber irgendwann zitterte sie so stark, dass sie zum Arzt musste. Sie stammt – wie mein Opa – aus einer deutschen Ansiedlung im ehemaligen Jugoslawien, im heutigen Serbien. 1944 ist sie geflohen, hat in Deutschland meinen Großvater kennengelernt, geheiratet, ein Haus gebaut und zwei Söhne bekommen. Ich weiß nicht mehr, warum sie nach Opas Tod ins Heim gekommen ist. Zu der Zeit waren mir andere Dinge wichtiger: mein Studium, meine Zukunft, meine eigenen Umzüge.

Während ich damals von WG-Zimmer zu WG-Zimmer zog, erlebte Oma jeden Tag im selben Zimmer im Heim. Sie war noch nie

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