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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2017
Wer ist Herr im Hirn?
Der Streit um den freien Willen
Der Inhalt:

Vom Ankommen und Weiterfahren

Mit dem Rad nach Teheran: Unsere Autoren haben es geschafft – trotz Pannen und verschneiter Pässe

Schon im Mai, als wir in Frankfurt aufbrachen, hatten wir über das Kopftuch-Problem gegrübelt. Wir wussten ja, dass im Iran eine Frau in der Öffentlichkeit ihre Haare bedecken muss – egal, ob Muslimin oder Christin. Aber wie sollte so ein Kopftuch halten, wenn wir die Gebirge hinabrasten? Und würde Katharina nicht zu sehr schwitzen? Tatsächlich war dann im Iran weder von Rasen noch von Schwitzen die Rede: Statt durch Gluthitze fuhren wir durch Schnee und Eis – der Preis, den wir für unseren langen Aufenthalt auf dem Balkan nun zahlen mussten. Katharinas Haare blieben verborgen unter einer Sturmhaube, Christophs ebenso.

Überhaupt wurde das Wetter zunehmend zum Problem. Denn wir wollten an Heiligabend mit der deutschen Gemeinde in Teheran Gottesdienst feiern. Jeden Abend rechneten wir neu: Die vor uns liegende Strecke geteilt durch die Anzahl der Tage macht, zum Beispiel, 87 Kilometer – bei Schnee kaum zu schaffen. Dass wir trotzdem gerne an diese Etappe zurückdenken, liegt an den Iranern: Mehrmals am Tag hielten Autofahrer, um uns Orangen, Kuchen oder Pistazien zu schenken. Und Tee! Dampfend aus Thermoskannen gegossen und am Straßenrand im Schneegestöber getrunken. Und dann das Polizeiauto: Da die Landstraße kaum geräumt wurde, waren wir auf den freien Seitenstreifen der Autobahn ausgewichen. Wir hielten das für clever und lebenserhaltend, aber natürlich ist es verboten. »Woher kommen Sie?«, fragen die Polizisten. »Wohin fahren Sie?« Dann: »Möchten Sie Tee?« Zehn Minuten später verabschieden wir uns winkend.

Nicht immer war die Anteilnahme der Iraner eine Hilfe. Zwei Tage vor Heiligabend ist das Ventil von Christophs Reifen kaputt, und auch der Ersatzschlauch ist hinüber. Katharina fährt weiter, Christoph will trampen. Ein älterer Mann möchte helfen, Autos anzuhalten. Nun sieht es aber leider so aus, als wollten zwei Leute und ein vollbepacktes Fahrrad mitfahren. Erst nach einer Stunde, in der Christoph immer einsilbiger wird, gibt der Mann auf – fünf Minuten später hält ein Lkw … Pannen wie diese häufen sich, als Gebirge und Schnee hinter uns liegen. Sieben platte Reifen, eine gebrochene Hinterachsschraube, die Luftpumpe kaputt – kein Tag, an dem nichts reißt, blockiert oder zerbricht.

Und doch: Am 24. Dezember erreichen wir tatsächlich Teheran. Nach sechs Stunden Stadtautobahn, Smog und Stau öffnet uns der iranische Küster lächelnd das Tor zum Hof der evangelisch

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