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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
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Wie viel Fassade ist verkraftbar …

von Angela Elis vom 22.12.2012
… bis wir verrückt werden? Plädoyer für einen Aufbruch der Menschen zu sich selbst
Welchen Halt gibt es in einer Welt, in der die Kulissen jederzeit einstürzen können? Wie viel Fassade ist verkraftbar, bis wir verrückt werden? (Foto: pa/beyond/beyond foto)
Welchen Halt gibt es in einer Welt, in der die Kulissen jederzeit einstürzen können? Wie viel Fassade ist verkraftbar, bis wir verrückt werden? (Foto: pa/beyond/beyond foto)

Kerzen und Glitzerzeug – sie sind es, die uns in der dunklen Jahreszeit das Gemüt erhellen. Schon vor 300 Jahren führte diese Sehnsucht zur Erfindung der Schwibbögen im Erzgebirge. Die Bergleute, die im Winter das Haus im Dunkeln verließen und erst im Dunkeln wieder heimkamen, sollte ein wärmender Gruß empfangen. Doch was, wenn die Sehnsucht nach Glanz und Licht in unserer Vermarktungsgesellschaft ausgenutzt und schamlos verwertet wird?

Da versprechen uns Hochglanzbroschüren renditeträchtige Geldanlagen. Doch am Ende sind es faule Papiere, und die vermeintliche Absicherung fürs Alter lässt uns verzweifelt oder gar verschuldet zurück. Dann werden prächtige Produkt-Paletten in perfekt ausgeleuchtete Regale gestellt, die uns verkünden, dass sie uns schön, schlau und schlank machen. Doch letztlich sind es synthetische Waren aus Hightech-Laboren, die unsere Geschmacksnerven manipulieren und uns krank machen. Und Politiker, deren Aufgabe es wäre, diesem Treiben Grenzen zu setzen, lassen sich von Lobbyisten die Ohren heiß quatschen und mutieren – ausgestattet mit falschen Titeln – vom blendenden Redner zum redenden Blender. Auf den Bühnen unseres Alltags bis hin zur Online-Welt, die uns mehr und mehr beherrscht, agieren Fassadenpersönlichkeiten und Kulissenschieber. Die Frage nach Wahrhaftigkeit, Substanz oder Inhalt wird systematisch abgeschafft. In einer auf Äußerlichkeiten fixierten Verkaufsgesellschaft drängt sich alles marktschreierisch auf. Die wichtigste Frage ist dann nicht mehr: Wer bin ich? Sondern: Wie werde ich wahrgenommen?

Die populären Castingshows sind ein eindrucksvoller Beleg. Survival of the fittest – das darwinistische Konkurrenzprinzip – hat Glamourstatus a

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