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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2018
Frieden in einer irren Welt
Katholikentag 2018: Ängste, Ideen, Sehnsüchte
Der Inhalt:

Vorfahrt für Menschen

von Heike Baier vom 29.05.2018
In Wohnvierteln ohne Autos lebt es sich gut. Die Modellquartiere im Süden Deutschlands werden zwar viel bestaunt – doch selten kopiert. Warum?
Hier rasen nur die Bobbycars: Sowohl das Französische Viertel in Tübingen als auch das Vauban-Viertel in Freiburg sind weitgehend autofrei. (Foto: pa/Jansen)
Hier rasen nur die Bobbycars: Sowohl das Französische Viertel in Tübingen als auch das Vauban-Viertel in Freiburg sind weitgehend autofrei. (Foto: pa/Jansen)

Es war Zufall, dass es Per Toussaint und seine Familie vor 16 Jahren ins Freiburger Vauban-Viertel verschlug. Die Stadt war gerade dabei, das ehemalige Kasernengelände in ein ökologisches Vorzeigequartier mit 2500 Wohnungen umzubauen: Ein teilweise autofreier Stadtteil – das hatte es in dieser Größenordnung und Konsequenz bis dahin in Deutschland nicht gegeben. Die Toussaints allerdings kamen nicht aus Idealismus, sondern weil sie dort eine bezahlbare Mietwohnung fanden. Und doch merkten sie bald, dass sie an diesem Ort auch ohne Auto »irgendwie klarkommen« könnten. Ihre Kinder waren zwei, vier und sechzehn Jahre, als sie ihren alten Opel abschafften. Sie hatten einen großen Hund und zwei Pferde in einem externen Stall zu versorgen. »Ein toller Fahrradanhänger half«, erinnert sich Per Toussaint, während er im »Café Süden« am Quartiersplatz in die Sonne blinzelt. »Und die Möglichkeiten hier sind wirklich gut.«

Kita und Schule liegen direkt im Viertel, Läden und Arztpraxen auch, auf gut ausgebauten Radwegen erreicht man die Innenstadt in 15 Minuten, die Straßenbahn fährt im engen Takt, Carsharing gibt es vor der Tür. Sieben Jahre hielten die Toussaints durch ohne eigenen Pkw. Das lief nicht immer rund, räumt der 48-jährige Vater ein. Spontaneität fiel meist flach, Ausflüge am Wochenende mit öffentlichem Nahverkehr mussten genau geplant werden. »Das geht alles irgendwie. Aber wenn man mit Kindern und dem ganzen Zeug ohne Auto in den Urlaub will – da hat man ein Problem.«

»Verdammt anstrengend« fand er es auch, zwanzig Kilo schwere Futtersäcke im Fahrradanhänger zum Stall zu fahren. Oder den Opa in seinem Haus in der Pampa in Sachsen-Anhalt per elf Stunden langer Zugfahrt zu besuchen. »Das Leben ohne Au

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