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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2020
Der fragile Mensch
Ein Mängelwesen strebt nach gottgleicher Macht und zerstört sich selbst 
Der Inhalt:

Urlaub in Zuhausien

vom 08.08.2020
In Zeiten von Corona bleiben wir in den Ferien daheim. Aber E-Mails lesen wir nicht. Sondern feiern das Leben. Eine Kolumne von Fabian Vogt.
Abenteuerurlaub daheim: Fabian Vogt hat mit seiner Frau eine »Das-Leben-feiern«-Liste angelegt (Grafik: iStock by getty / miakievy)
Abenteuerurlaub daheim: Fabian Vogt hat mit seiner Frau eine »Das-Leben-feiern«-Liste angelegt (Grafik: iStock by getty / miakievy)

Andreas, mein Kollege, verabschiedet sich beim Onlinemeeting mit den lässigen Worten: »Ich habe ja ab morgen drei Wochen Urlaub. Aber wir bleiben zu Hause. Wegen Corona und so. Ihr könnt mich also jederzeit erreichen. Meldet euch einfach, wenn was ist.«

Drei Tage später ist tatsächlich was – und ich rufe ihn an. Hat er schließlich angeboten. Und es scheint ihn auch gar nicht zu stören. Denn Andreas erzählt, dass er ohnehin bislang jeden Urlaubstag am Rechner verbracht hat: »Tut gut, mal den liegen gebliebenen Kram abzuarbeiten. Und ich hatte schon ein paar richtig schöne Ideen für das nächste Projekt.«

Das ist der Moment, in dem ich zutiefst bedauere, dass ich mein Telefon auf laut gestellt habe. Denn hinter mir räuspert sich meine Frau. Ziemlich energisch sogar. Und als ich aufgelegt habe, erklärt sie deutlich: »Jetzt sag mir bitte nicht, dass das bei uns im Urlaub auch so zugeht!« Ich versuche, mit maskulinem Zartgefühl auf sie einzugehen: »Wie meinst du das denn?« »Das kann ich dir sagen: Dieses ganze Homeoffice hat die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben aufgeweicht. Du weißt nie, wann Schluss ist. Also lass uns bitte dafür sorgen, dass unser Urlaub sich erkennbar vom Nichturlaub unterscheidet. Auch und gerade, wenn wir nicht wegfahren.«

Sanft und mit verständnisvoller Stimme entgegne ich: »Aber natürlich! Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Wenn du verstehst, was ich meine. Und wenn ich ab und zu mal kurz in die E-Mails schaue, dann …« Sie unterbricht mich harsch. »Siehste! Genau das darf nicht passieren.« Ich will noch was ergänzen (»Könnte ja was Wichtiges dabei sein«), lasse es aber aus Selbstschutzgründen sein.

Mit ihrer Freu

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