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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2015
Und der Mensch schuf das Netz
Gott in der digitalen Revolution
Der Inhalt:
von Fabian Vogt vom 12.04.2015
Manchmal sagen mir besorgte Menschen: »Herr Pfarrer, mit der Kirche geht’s doch bergab.« Ich entgegne dann ganz fröhlich: »Na, da kommt sie wenigstens mal in Fahrt.« Aber natürlich gebe ich zu: Die Kirche zu verändern ist ebenso schwer, wie einen Friedhof zu verlegen – es mangelt an der Mitarbeit von unten … Fabian Vogts Kolumne
"Die Kirche zu verändern ist ebenso schwer, wie einen Friedhof zu verlegen: Es mangelt an der Mitarbeit von unten", sagt Pfarrer und Kabarettist Fabian Vogt. (Foto: iStock/Getty/kulicki)
"Die Kirche zu verändern ist ebenso schwer, wie einen Friedhof zu verlegen: Es mangelt an der Mitarbeit von unten", sagt Pfarrer und Kabarettist Fabian Vogt. (Foto: iStock/Getty/kulicki)

Mal ernsthaft: Andauernd erscheinen hochwissenschaftliche Studien, die belegen, dass die meisten kirchlichen Angebote nur noch ganz bestimmte Milieus erreichen, während sie andere Zielgruppen völlig aus dem Blick verloren haben. Neulich erzählte mir ein Kollege sogar: »Wenn ich in meinen Gottesdienst komme und sehe, dass in der letzten Reihe drei alte Damen sitzen, dann weiß ich wieder, warum in der Theologie so viel von ›Dreifaltigkeit‹ die Rede ist.«

Nun werden ja die Milieus unter anderem an ihrer jeweiligen Vorliebe für bestimmte Musikstile, kulturelle Formen und soziale Verhaltensmuster festgemacht. Und da erlebe ich in der Praxis ganz massive Veränderungen.

Letztes Jahr habe ich zum Beispiel bei fünfzig Prozent meiner Beerdigungen Gitarre gespielt. Weil jedes Mal die Angehörigen sagten: »Der Karl-Heinz ist mit den Beatles und den Rolling Stones groß geworden. Der hat sein Leben lang nie Orgel gehört. Warum soll er ausgerechnet bei seiner Beerdigung damit zugedröhnt werden? Das hätte überhaupt nicht zu ihm gepasst.«

Ich mag Orgel sehr. Aber ich kann nachvollziehen, dass viele Menschen auch so schon das Gefühl haben, andauernd von Pfeifen umgeben zu sein. Und Tatsache ist doch: Wenn sich ein Mensch in Deutschland für Gott und den Glauben interessiert, dann kann er das fast überall nur in einer bestimmten Kulturform tun, nämlich mit Liturgie, Orgelmusik, seltsamen Gewändern, geprägter Sprache und Wechselgesängen, die man sehr lange üben muss, um sie schön zu finden.

Ich habe mal einen kirchendistanzierten Freund mit in einen klassischen Gottesdienst genommen und ihn anschließend gefragt, wie

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Kommentare
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Josef Korthues
15.04.201508:33
Hallo, besten Dank für den Artikel! Unterschreib ich voll. Alles Gute!
Thomas Bergen
12.04.201510:18
Aufgewachsen bin ich in einer katholischen Kirchengemeinde in der norddeutschen Diaspora. Etwa alle vier Wochen war die Vorabendmesse gefüllt, bis auf den letzten Stehplatz. Was anders war? Die Orgel schwieg. Die Musik kam von der Kirchenband, die vor dem Seitenaltar vorne im Seitenschiff stand und saß, mit Schlagzeug, Flöte, Bass, Gitarre und Keyboard. Jugendliche, die sonst selten zur Kirche gingen und Senioren, die sonst sonntags zur Kirche gingen, waren miteinander im Gottesdienst. Alte Leute haben sich gefreut, dass es endlich eine frischere Kirche gibt.
Fremde kamen wenige, zumeist trafen sich dort GemeindemitgliederInnen, die man selten sah. Sind das Fremde? Sie gehören doch zur Gemeinde. Also Fremde oder fremdgewordene?