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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2015
Und der Mensch schuf das Netz
Gott in der digitalen Revolution
Der Inhalt:
Spiritprotokoll

»Die Dinge lösen sich«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 10.04.2015
Hellwach, präsent und ganz bei sich: Felicitas Glajcar übt und lehrt Meditation des Tanzes. Für sie ist die Bewegung wie ein Gebet

Es ist die russische Musik, die ich besonders gerne mag. Ich kann gar nicht mal genau sagen, warum. Sie hat etwas Schwermütiges.

Wenn ich tanze, verändert sich etwas. Ich werde wacher, aufmerksamer, erlebe die Welt um mich herum intensiver. Manche denken, bei der Meditation des Tanzes schließe man die Augen und verliere sich in einer Traumwelt. Bei mir ist das nicht so. Stattdessen bin ich ganz da, im Hier und Jetzt. Wach und präsent. Achtsam. Der Bezug zum Göttlichen ist mir dabei wichtig.

Ein Schritt nach vorne, zwei zurück. Ein Wiegeschritt, dann wenden wir uns nach links. Wir tanzen in der Gruppe, aber es gibt keine, die führt. Jede bleibt ein Individuum, auch in der Gemeinschaft.

Das ist die besondere Kunst: in der Gruppe zu tanzen und gleichzeitig ganz bei sich zu bleiben. Unsere Körpersprache drückt das aus, diese ständige Balance zwischen mir und uns. Ich strecke die Arme nach oben, gen Himmel, dem Licht entgegen, folge den Händen mit meinen Augen. Ich versuche, Gott näher zu kommen, mich zu öffnen. Dann senke ich die Arme ab, kreuze sie vor der Brust, bin ganz bei mir.

Schließlich verbinde ich mich wieder mit den Frauen zu meiner Linken und Rechten, nehme ihre Hände. Diese Verbundenheit, das Einander-an-den-Händen-Fassen vermittelt Sicherheit und schafft eine starke Energie.

Zum Tanzen kam ich durch ein Schlüsselerlebnis: 1985 war das, ich war 39 Jahre alt und habe zum ersten Mal an einem Tanztag teilgenommen. Dort habe ich den sogenannten »Achtsterntanz« getanzt – und plötzlich gespürt: Das ist es. Irgendetwas hat mich erfasst und ergriffen. Seitdem tanze ich und unterrichte auch.

Die Musik spricht etwas an, das ganz tief in mir drin ist. Je nachdem, in welcher Tagesverfassung ich gerade bin, aus welchem Land die Musik stammt, zu der wir tanzen, und welche Instrumente ich höre, fühlt sich das unterschiedlich an. Celloklänge sprechen mich sehr an. Das Instrument zieht mich in seinen Bann, ich kann mich richtig fallen lassen.

Das Unterrichten macht mir Freude. Die Menschen mitnehmen in den Tanz, das ist etwas Wunderbares. Da geht mir das Herz auf, da bin ich ganz erfüllt.

Manchmal tanze ich zu einer Musik, zu der ich schon unzählige Male getanzt habe. Und doch erlebe ich es immer wieder neu. Weil ich mich verändere, weil meine Lebens

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