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Umwelt schützen mit Elektroautos?

Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf deutschen Straßen rollen, so steht es im Koalitionsvertrag. Nun sollen sie staatlich bezuschusst werden. Ist die Förderung dieser Autos sinnvoll für die Umwelt? Darüber streiten der Bündnisgrüne Stephan Kühn und Daniel Moser von Greenpeace. Wie ist Ihre Meinung?
vom 13.03.2016
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Umwelt schützen mit Elektroautos? Stephan Kühn (links) sagt: Ja! Daniel Moser (rechts) sagt: Nein! (Fotos: Kaminski; Mueller/Greenpeace)
Umwelt schützen mit Elektroautos? Stephan Kühn (links) sagt: Ja! Daniel Moser (rechts) sagt: Nein! (Fotos: Kaminski; Mueller/Greenpeace)

Stephan Kühn: »Ja! Sie reduzieren die Stickoxid-Belastung und den Lärm«

»Elektromobilität ist das zentrale Zukunftsmodell für den Straßenverkehr. So richtig es ist, den Einsatz von Elektrobussen oder Elektrofahrrädern stärker zu unterstützen, man darf nicht vergessen: Im Personenverkehr werden in Deutschland von hundert Kilometern achtzig Kilometer mit dem Auto zurückgelegt! Der Staat sollte daher Elektroautos fördern.

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In vielen Regionen Deutschlands liegt die Luftbelastung seit Jahren über den zulässigen Grenzwerten, Bürger klagen über Straßenlärm. Insbesondere Diesel-Pkw stoßen zu viel Feinstaub und Stickoxide aus. Sie verursachen erhebliche Gefahren für die Gesundheit und stellen eine massive Einschränkung der Lebensqualität dar. Der Übergang in eine postfossile Automobilität ist bisher nicht in Fahrt gekommen. Elektroautos sind schlicht zu teuer. Der niedrige Ölpreis trägt sein Übriges dazu bei. Deutschland ist weit davon entfernt, führend in Sachen Elektromobilität zu werden. Deutlich erfolgreicher findet eine Marktdurchdringung mit Elektroautos in Ländern wie den USA, Norwegen, Frankreich oder den Niederlanden statt. All diese Länder zahlen in verschiedenen Varianten eine Kaufprämie für emissionsarme Fahrzeuge. Wir Grünen plädieren deshalb für einen zeitlich befristeten Zuschuss für reine Elektroautos in Höhe von 5000 Euro. Um eine ökologische Lenkungswirkung zu entfalten, sollte die Kfz-Steuer für Autos mit einem CO2-Ausstoß oberhalb der europäischen Grenzwerte steigen. Der Haushalt wird dadurch nicht belastet. Freilich, das allein wird nicht reichen. Wir brauchen flankierend ein Investitionsprogramm Elektromobilität, um den Aufbau einer öffentlich zugänglichen Lade-Infrastruktur zu finanzieren, die auf erneuerbarem Strom basiert.«

Daniel Moser: »Nein! Denn derzeit fahren sie mit Kohlestrom«

»Auf dem Weg zu mehr Klimaschutz ist die Kaufprämie für E-Autos ein Schritt in die falsche Richtung. Denn die Elektrofahrzeuge erzeugen zwar während des Fahrens keine Emissionen, benötigen aber Strom – und der stammt in Deutschland zurzeit noch größtenteils aus Kohlekraftwerken. Mehr E-Autos können nur dann den CO2-Ausstoß beim Pkw-Verkehr verbessern, wenn parallel die Anzahl von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor sinkt. E-Autos werden in den kommenden Jahren trotz möglicher Subventionen teuer bleiben. In der Regel werden sie in Haushalten mit überdurchschnittlichen Einkommen als Zweit- oder Drittfahrzeug gekauft werden. Eine E-Prämie würde diese Zusatzfahrzeuge aus dem Staatshaushalt finanzieren – auch über die Steuergelder von Bürgern, die selbst kein Auto besitzen. Weit sinnvoller als eine solche umweltpolitisch fragwürdige E-Auto-Prämie wäre es, die deutsche Stadtbusflotte zu elektrifizieren. Das würde deutlich mehr CO2 einsparen, denn im Gegensatz zu Privatautos, die im Durchschnitt weniger als eine Stunde pro Tag gefahren werden, sind Stadtbusse viel besser ausgelastet. Sie sind auch für sozial Schwächere ein einfach erreichbares und bezahlbares Mobilitätsmittel. Durch feste Routen lassen sich Lade- und Fahrzeiten perfekt planen. Experten haben berechnet, dass die Umstellung auf E-Busse innerhalb nur eines Jahres etwa sieben Milliarden Euro kosten würde – eben den Betrag, mit dem die Bundesregierung jährlich Dieselautos subventioniert. Hier sollte die Bundesregierung ansetzen: E-Mobilität für alle statt E-Autos für wenige!«

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Personalaudioinformationstext:   Stephan Kühn (@StephanKuehn), geboren 1979, ist Mitglied des Bundestags für Bündnis 90/Die Grünen. Er ist verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion.
Daniel Moser (@_dmoser), geboren 1985, ist Verkehrsexperte bei Greenpeace. Smarte Mobilitätslösungen, lebenswerte Städte und »Sharing Economy« gehören zu seinen Arbeitsschwerpunkten.
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