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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

Ein Familienfest mit Handschellen – und andere Märchen

Roman. Gibt es überhaupt eine Familie, die zu Weihnachten völlig entspannt unterm Tannenbaum sitzt? Die Paschens sind es jedenfalls nicht. In Maruan Paschens Roman berichtet ein Icherzähler, der genauso heißt wie der Schriftsteller, dem Psychotherapeuten Dr. Gänsehaupt vom Heiligen Abend, den er mit seiner Mutter und deren Brüdern verbracht hat. Sie hocken um ein Fondue herum, wickeln Geschenke aus und bringen einander mit Anekdoten aus der Vergangenheit abwechselnd zum Lachen und zum Weinen. So weit, so normal. Doch die Paschens sind, während sie Fleischhappen in Soßen tunken und Cornichons verspeisen, aus unerfindlichen Gründen mit Handschellen aneinander gekettet. Die Anekdoten werden immer wilder. Der Buch-Maruan ist, ebenso wie der echte Maruan, der Sohn »eines in Deutschland lebenden Arabers«, der aber zu Weihnachten nicht auftaucht und auch sonst wenig zu sagen hat. Der Buch-Maruan fliegt mit Johann Wolfgang von Goethe nach Nordafrika und rettet unterwegs ein Kind vor dem Erstickungstod, indem er sich als Arzt ausgibt. So erzählt er es jedenfalls seiner lieben Familie.

Klingt verwirrend? Ist es auch. Das soll man natürlich nicht alles glauben. Dieses Werk junger Literatur ist eine gelungene Parodie auf die üblichen heiter-dramatischen Weihnachtsgeschichten, die Literatur und TV zu bieten haben. Der 1984 geborene Autor hat Koch gelernt und dann an mehreren Literaturinstituten studiert. Ihm Ironie und Wortwitz zu bescheinigen greift zu kurz, denn Paschen ironisiert sogar noch die Ironie und übersteigert das Familien-Weihnachts-Drama mittels lakonischer, effektvoller Sätze ins Absurde, frei nach dem Motto: »Das Geräusch von siedendem Fett war besinnlich.« Familie, so lautet das Fazit des B